Steinkohlereviere in Deutschland


 
   

Ruhrrevier

Unter dem Ruhrgebiet befindet sich der größte Steinkohlenvorrat der Bundesrepublik Deutschland. Die Kohlenlagerstätte an der Ruhr misst etwa 100 Kilometer in West-Ost-Richtung. An der Ruhr reichen die heute weitgehend abgebauten Kohlenflöze bis zur Oberfläche, nach Norden hin sinken sie unter ein immer mächtiger werdendes Deckgebirge ab. Für den Bergbau unter heutigen technischen Bedingungen erreichbar, das heißt bis in Tiefen von etwa 1 500 Metern, ist in Nord-Süd-Richtung ein 30 bis 40 Kilometer breiter Streifen.

Die Lagerstätte ist Teil des nordwesteuropäischen Kohlengürtels, der sich von England über Nordfrankreich bis nach Russland fortsetzt. Geregelter Bergbau begann an der Ruhr um 1730.

Die rasche Industrialisierung zwischen 1880 und 1910 konnte nur mithilfe von Zehntausenden von Einwanderern aus damaligen ostdeutschen und westpolnischen Gebieten erreicht werden. Heute gehören die ausländischen Mitarbeiter aus süd- und südosteuropäischen Ländern sowie aus der Türkei zum Alltagsbild.

Um die Arbeitsabläufe zu rationalisieren und zunehmend auch zu automatisieren, kommt heute modernste Technik zum Einsatz. Mit 32 Millionen Tonnen Förderung pro Jahr werden hier ungefähr 80 % der deutschen Steinkohle gewonnen. Das Ruhrgebiet und seine Menschen profitieren trotz struktureller Veränderung immer noch stark vom Steinkohlenbergbau.

Saarrevier

Die Kohlenlagerstätte im Saarrevier ist geologisch anders entstanden als die meisten anderen Steinkohlenlagerstätten in Deutschland. Sie bildete sich nicht aus Wäldern an Meeresufern, sondern aus den Sumpfwäldern von Süßwasserseen. Daraus entstand mit einer Ausdehnung von 60 mal 25 Kilometern das saarländisch-lothringische Kohlerevier.

Die Flöze sind durchschnittlich zwei Meter dick. Sie liegen meist flach und erleichtern somit den Abbau mit modernen Maschinen. Jährlich werden ca. 7,2 Millionen Tonnen gefördert, das sind etwa 17 % der deutschen Steinkohleproduktion.

Ibbenbüren


Hundert Kilometer nördlich des Ruhrgebiets tauchen die Schichten des Ruhrkarbons im Teutoburger Wald als eine fünfzehn mal sechs Kilometer große Scholle wieder aus der Tiefe hervor. Seit über 500 Jahren wird hier Bergbau betrieben.

Ibbenbürener Kohle hat eine Besonderheit. Durch die ursprüngliche Lagerung in großer Tiefe und höheren Temperaturen wurde sie viel stärker inkohlt als die Ruhrkohle. Die Fettkohlenflöze treten hier als Anthrazit- und Magerkohle auf.

Neben der Verwendung in Kraftwerken dient sie wegen der umweltfreundlichen Eigenschaften des Anthrazits auch für Raumbeheizungen und zur Herstellung von Wasserfiltern und Elektroden.

Aachener Revier

Geologisch gesehen gehören die Lagerstätten des Aachener Reviers wie die von der Ruhr zum nordwesteuropäischen Kohlengürtel. Nach Funden von Historikern darf man vermuten, dass schon die Römer im alten Aquae Granni, dem heutigen Aachen, ihre Villen und Bäder mit Steinkohle beheizten.

Jedenfalls ist der Bergbau im Dreiländereck zwischen Belgien, den Niederlanden und Deutschland einer der ältesten in Europa. Heute wird im Aachener Revier keine Kohle mehr abgebaut.