Braunkohlegewinnung


 
Die Gewinnung von Braunkohle ist ein tiefer Eingriff in die Landschaft und in die Lebensverhältnisse ihrer Bewohner. Denn Braunkohle kann nur im offenen Tagebau gewonnen werden. Über den bis zu 80 Meter dicken Braunkohlenflözen lagern mächtige, lockere Schichten aus Sand, Kies und Ton. Erst in 25 bis 280 Meter Tiefe erreichen die Bagger die Braunkohle. Der Braunkohlenbergbau muss also im wahrsten Sinn des Wortes Berge versetzen.

Dies gelingt mit einer speziell entwickelten Tagebautechnik mit großen, mobilen und im Dauerbetrieb arbeitenden Geräteeinheiten. Markenzeichen dieser Technik sind der Schaufelradbagger und - im Lausitzer Revier - die Förderbrücke.

Im Rheinland kommt die Schaufelradbagger-Technologie zum Einsatz. Die bis zu 250 Meter langen und knapp 100 Meter hohen Schaufelradbagger legen die Braunkohlenflöze frei. Sie tragen zunächst die obere Bodenschicht aus Humus und Löß ab, fördern anschließend den so genannten Abraum aus Ton, Kies und Sand und gewinnen dann die Braunkohle: Jahr für Jahr bis zu 190 Millionen Tonnen. Für eine Tonne Kohle müssen etwa 5 Kubikmeter Abraum bewegt werden.

Heute sind Fördersysteme mit einer Tageskapazität von bis zu 240 000 Kubikmetern im Einsatz. Vom Schaufelrad gelangen die Kohle und der Abraum über Förderbänder zu den Sammelpunkten.

Der Großteil der Kohle wird mittels Förderbändern oder Zügen zu den nur wenige Kilometer entfernten Kraftwerken gebracht. Der Rest gelangt rasch zur Veredelung, wo Braunkohlenstaub, Wirbelschichtkohle, Briketts und Koks hergestellt werden. Der Abraum wird mittels so genannter Absetzer auf der ausgekohlten Seite des Tagebaus wieder verkippt.

Im Lausitzer Revier wurde die Förderbrückentechnik weiterentwickelt, bei der bevorzugt Eimerkettenbagger im Einsatz sind. Die großen Förderbrücken stellen mit einer Tagesleistung von bis zu 450 000 m3 eine kostengünstige Massenbewegung sicher. Sie gewinnen den Abraum, transportieren ihn über den offenen Tagebauraum hinweg und verkippen ihn anschließend am anderen Ende des Tagebaus. Die Vorteile dieser Gerätekombination liegen vor allem in den sehr kurzen Förderwegen zwischen 400 und 700 m.

Der Einsatz der Förderbrücke wird maßgeblich durch die Geologie der Lagerstätte bestimmt. Voraussetzung sind gleichmäßige Ablagerungen in geringer Tiefe. Der Eimerkettenbagger wird jedoch nicht nur zur Förderung des Abraums, sondern zum Teil auch zum Abbau der Braunkohle eingesetzt.

In Mitteldeutschland und in Helmstedt hat sich - wie im Rheinland - die Bandanlagentechnik durchgesetzt, die aus der Förderkombination Bagger-Bandanlagen-Absetzer besteht. In jüngerer Zeit kommt im mitteldeutschen Revier in begrenztem Umfang auch mobile Technik zum Einsatz.

Der Tagebau ist terrassenförmig aufgebaut. Er gliedert sich in die Gewinnungsseite, wo Schaufelradbagger Braunkohle und Abraum gewinnen, und die Verkippungsseite, wo Absetzer den Abraum wieder verteilen. Die unmittelbare Rückführung des Abraums ist ein erster wichtiger Schritt für die Rekultivierung. Auf diese Weise ist jeder Tagebau ein in sich geschlossenes System mit optimaler Logistik.


Um Braunkohle zu gewinnen, muss der Bergbau das Grundwasser im Abbaubereich absenken. Dazu werden rund um den Tagebau oft Hunderte Sümpfungsbrunnen angelegt, wo das Grundwasser mittels Pumpen abgesaugt wird. Diese Grundwasserabsenkung wirkt aber oft weit über den Tagebau hinaus und kann andere Nutzer beeinträchtigen. Aus diesem Grund müssen verschiedene Maßnahmen getroffen werden. Das geförderte Brunnenwasser wird beispielsweise dazu verwendet, umliegende Feuchtgebiete mittels Versickerungsanlagen zu bewässern. Wasserwerke sorgen für die öffentliche Wasserversorgung.

Da Braunkohle nur im Tagebau gewonnen werden kann und der Abbau daher im Laufe der Jahre wandert, macht das oft die Umsiedlung ganzer Ortschaften notwendig. Von 1948 bis heute sind allein im rheinischen Revier mehr als 25 000 Menschen umgesiedelt worden. Das ist eines der schwierigsten Probleme, die mit dem Braunkohlenbergbau verbunden sind, da es nicht nur um finanzielle Entschädigungen geht, sondern auch um ideelle Werte. Um Nachbarschaften, Vereinsleben und andere soziale Gefüge zu erhalten, haben Gemeinden, Behörden und die Braunkohlewirtschaft das Konzept der gemeinsamen Umsiedlung entwickelt. Das gewachsene Gefüge einer Dorfgemeinschaft bleibt am besten erhalten, wenn möglichst viele Einwohner möglichst zügig und gemeinsam an einen anderen Ort umziehen.