Rekultivierung von Braunkohleabbaugebieten


 
Der Braunkohlenbergbau zerstört die gewachsene Landschaft. Wälder, Wiesen und Felder müssen den Baggern weichen. Ein Blick in einen Tagebau macht die Ausmaße eines solchen Eingriffs deutlich.

Um die Jahrhundertwende überließ man den abgekippten Abraum meist sich selbst. Nach einigen Jahren begrünten sich die Kippen von selbst und es entstanden Wälder. Um 1930 begann man in der Lausitz mit der systematischen Rekultivierung der Abbaugebiete. Die aufgeschütteten Kippen wurden von Hand eingeebnet und bepflanzt.

Heute ist der Eingriff des Braunkohlenbergbaus vorübergehend. Die modernen Methoden der Rekultivierung haben sich im Laufe eines langen Lernprozesses weiterentwickelt. Sobald die ersten Partien eines Kohlenflözes abgebaut sind, beginnt dort die Wiederherstellung von Wald, Ackerland und sonstigen Flächen. Absetzer verkippen zunächst den von den Schaufelradbaggern abgetragenen Abraum, bestehend aus Ton, Sand, Kies und Mergel. Anschließend kommt eine Drainageschicht aus wasserdurchlässigem Material darüber.

Wo eine Aufforstung vorgesehen ist, wird als oberste Schicht Kies und Lehm aufgeschüttet. Das macht den Boden einerseits so locker, dass die Wurzeln der Bäume tief in den Boden eindringen können, und andererseits kann der Lehm genug Wasser aufnehmen. Danach werden die in der Region heimischen Bäume gepflanzt.

In der Frühzeit des industriellen Braunkohlenbergbaus nahmen die Tagebaue vornehmlich Waldflächen in Anspruch. Heute erstrecken sie sich vor allem in landwirtschaftlich genutzten Gebieten - einerseits im Norden und Westen des rheinischen Reviers, andererseits in der Lausitz. In der Lausitz beanspruchte der Braunkohlenbergbau seit seinem Beginn etwa 24 000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche.





In den Anfangsjahren war die Rekultivierung für die landwirtschaftliche Nutzung von untergeordneter Bedeutung. Erst ab der Mitte der 60er-Jahre werden Abraumflächen zunehmend für die Bewirtschaftung vorbereitet. Jedes Jahr werden allein im Rheinland 200 Hektar neue Äcker und Felder angelegt. Dabei ermöglicht Löß, der mit Absetzern zwei Meter dick aufgetragen wird, eine hochwertige landwirtschaftliche Rekultivierung.

Für einen kulturfähigen Boden fehlt aber noch der Humus. Deshalb werden in den ersten Jahren Pionierpflanzen wie Raps und Klee angebaut. Dabei geht es nicht darum, gute Ernten einzufahren, sondern den Boden biologisch zu aktivieren. Später werden Getreide und andere Pflanzen angebaut, die auf bodenschonende Weise bestellt und geerntet werden können. Nach einer siebenjährigen Vorbereitung können sich die Erträge der neuen Äcker mit denen auf gewachsenem Boden messen und werden meist an Landwirte übergeben, die an anderen Stellen Felder für bergbauliche Zwecke bereitgestellt haben.

In letzter Zeit gewinnen aber auch Naherholung und Naturschutz immer mehr an Bedeutung. Zunehmend werden die Ackerflächen durch Biotope, Seen und Feldgehölze aufgelockert. Dabei geht es nicht darum, Natur nachzubauen. Der Mensch kann nur eine Starthilfe geben. Die wesentliche Arbeit leistet die Natur selbst.

Dass sie dazu in der Lage ist, zeigt das Beispiel des Ville-Seengebiets mit seinen über 30 Seen und Weihern im Westen von Köln. Dort hat längst eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt Schutz und Lebensraum gefunden. Da sich sogar bedrohte Tier- und Pflanzenarten angesiedelt haben, stehen bereits zahlreiche Gebiete im rekultivierten Revier unter Naturschutz.

Ein Beispiel für ein Naherholungsgebiet ist der Senftenberger See in der Lausitz, der durch die Flutung eines ehemaligen, 1 500 Hektar großen Tagebaus entstand. Nach der Aufwertung der Uferbereiche durch landschaftsgestaltende Arbeiten sind die attraktiven Strandbereiche heute Anziehungspunkt für viele Erholungssuchende.