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Additiv-Verfahren
Die deutschen Stromversorger haben bisher mehr als 50 Milliarden
Mark für Umweltschutzmaßnahmen in ihre Anlagen
investiert. Ein Großteil dieser Summe wurde für die Installation
von Rauchgasentschwefelungsanlagen eingesetzt.
Die Schwefeldioxidemissionen sanken dadurch von 1,55 Millionen Tonnen
im Jahr 1982 auf weniger als 120 000 Tonnen pro Jahr.
Grundsätzlich kann man drei Verfahrensarten zur Entschwefelung
unterscheiden: das Additiv-Verfahren, das Trockenverfahren
und das Nassverfahren.
Additiv-Verfahren |
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Beim Additiv-Verfahren, häufig auch als Direktentschwefelung
bezeichnet, wird zum Brennstoff zusätzlich trockener Kalk
oder Kalksteinmehl in den Kessel geblasen. Die Zugabe des Additivs
kann an verschiedenen Stellen erfolgen: entweder bereits vor der Feuerung
durch Beimengung zum Brennstoff, durch gemeinsames Eindüsen mit
der Verbrennungsluft in den Brennraum, durch Einbringung in den Feuerraum
des Kessels oder auch durch Zugabe in den bereits entstandenen Abgasstrom
nach dem Kessel. |
Ein Teil des Schwefeldioxids reagiert mit dem Kalkstein,
wird gebunden und in Gips umgewandelt.
CaCO3 --> CaO + CO2 (bei Kalksteinmehl)
Ca(OH2) --> CaO + H2O (bei Kalkhydrat)
CaO + SO2 + ½ O2 --> CaSO4
Der Vorteil dieses Verfahrens besteht im geringen Platzbedarf und
eignet sich vor allem für kleinere Anlagen bis zu 300 Megawatt.
Der Abscheidungsgrad beträgt maximal 60 %. In Deutschland
verwenden lediglich 4 % aller Verbrennungskraftwerke das Additiv-Verfahren
zur Rauchgasentschwefelung.
Trockenverfahren
Das besondere Merkmal von Trockenverfahren zur Rauchgasentschwefelung
ist, dass die Temperatur der Rauchgase während des gesamten Prozesses
nur wenig sinkt und eine Wiederaufheizung der gereinigten Rauchgase
nicht notwendig ist. 8 % aller deutschen Verbrennungskraftwerke verwenden
Trockenverfahren zur Rauchgasentschwefelung, hauptsächlich das
Sprühabsorptionsverfahren. |
| Diese Technik geht davon aus, dass Schwefeldioxid an feuchten Kalkpartikeln
besser absorbiert als an trockenen. Diese Technik wird auch als Quasi-Trockenverfahren
oder Halbtrockenverfahren bezeichnet. In einem Sprühabsorber
wird Kalkmilchsuspension fein zerstäubt und mit dem etwa 130
bis 150 °C heißen Rauchgas in Berührung gebracht. Der
Wasseranteil der Suspension verdampft und die Rauchgasinhaltsstoffe
reagieren mit dem eingesprühten Kalk. Es entsteht ein trockenes,
feinkörniges Endprodukt, das in der Baustoffindustrie Verwendung
findet. |
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Nassverfahren
88 % der deutschen Verbrennungskraftwerke verwenden zur Rauchgasentschwefelung
Nassverfahren.
Bei diesem Verfahren werden die Rauchgase mit dem in wässriger
Lösung enthaltenen Absorptionsmittel abgekühlt und mit Wasserdampf
gesättigt. Als Absorptionsstoffe kommen verschiedene Stoffe wie
Ammoniak oder Natriumsulfit zur Anwendung. Am weitesten verbreitet
ist allerdings der Einsatz von Kalk beziehungsweise Kalksteinsuspension.
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Beim Kalkstein-Waschverfahren wird das ungereinigte
Rauchgas in einem Waschturm, auch Absorberturm genannt, mit einem
Gemisch aus Wasser und Kalkstein, einer so genannten Waschsuspension,
besprüht, wodurch das Schwefeldioxid durch chemische Reaktionen
weitgehend absorbiert wird. |
Dabei geht das gasförmige Schwefeldioxid zunächst in
der Waschflüssigkeit in Lösung. Anschließend entsteht
durch die Reaktion von Schwefeldioxid und Kalkstein Kalziumsulfit
und Kohlendioxid.
SO2 + CaCO3 --> CaSO3 + CO2
Im unteren Teil des Waschturms, im Absorbersumpf, sammelt sich
die mit Kalziumsulfit beladene Waschsuspension. Durch Einblasen von
Luft (Aufoxidation) wird die Flüssigkeit mit Sauerstoff angereichert
und es entsteht eine Gipssuspension.
2 × CaSO3 + 4 × H2O + O2
--> (CaSO4 × 2 H2O) |
| Nach Entzug des Wassers fällt Gips mit bis zu 10 % Restfeuchte
in rieselfähiger Form an und steht als wertvolles Produkt zur
Abgabe an die Baustoffindustrie zur Verfügung. |
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Der Schwefeldioxid-Abscheidungsgrad beträgt 95 %, die gereinigten,
abgekühlten Rauchgase werden nach dieser Prozedur wieder aufgeheizt
und verlassen den Turm über Tropfenabscheider mit einer Mindesttemperatur
von 75 °C.
Die Vielzahl der einzelnen Verfahrensschritte macht deutlich, dass
es sich bei einer Rauchgasentschwefelungsanlage praktisch um eine
chemische Fabrik handelt. Es ist ein Flächenbedarf von der Größe
eines halben Fußballfeldes und eine Bauhöhe von bis zu
50 Metern erforderlich. |
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