| |
| Es ist nachgewiesen worden, dass grundsätzlich alle Atomkerne
gespalten werden können. Bei bestimmten Uran- und Plutoniumisotopen
ist aber die Spaltung mithilfe von Neutronen besonders leicht durchzuführen.
Außerdem wird bei der Spaltung dieser Kerne mehr Energie frei,
als dafür aufgewendet werden muss (exotherme Reaktion).
|
| In der Natur kommen drei Uranisotope vor: U-234, U-235
und U-238. Sie sind Alphastrahler mit unterschiedlichen Halbwertszeiten.
Alle drei Uranisotope haben zusätzlich die Eigenschaft, sich
spontan zu spalten. Die Spontanspaltung ergibt sich aus der Tatsache,
dass bei schweren Atomkernen die Abstoßung zwischen den Protonen
etwa so groß ist wie die zusammenhaltenden Kernkräfte.
Die Stabilität solcher Kerne ist dadurch sehr geschwächt.
|
|
Da Spontanspaltungen bei Uran aber sehr selten vorkommen,
spielen sie für die Kerntechnik praktisch keine Rolle.
Bei Uran-238 wird eine Spaltung nur selten erreicht, und dann nur
bei hoher Energie (Geschwindigkeit) der Neutronen. Die Kerne des Uran-235
lassen sich dagegen sehr viel leichter sowohl durch schnelle als auch
durch thermische (langsame) Neutronen spalten. Mit langsamen
Neutronen gelingt die Spaltung besonders leicht. Uran-234 spielt für
Kernspaltungen wegen seines geringen Vorkommens in der Natur keine
Rolle. |
|
Trifft ein langsames (thermisches) Neutron auf einen Atomkern des
Uran-235, wird es in den Kern aufgenommen. Es entsteht ein
hochangeregter Zwischenkern des Isotops Uran-236. Seine Lebensdauer
beträgt nur etwa 10-14 s. Der neue Kern versucht,
seine Anregungsenergie abzugeben. In etwa 6 von 7 Fällen tritt
eine Spaltung ein, in einem Fall geht der Atomkern durch Aussenden
eines Gammaquants in das langlebige Isotop Uran-236 über. |
|
Die Spaltung kann man sich im Modell so vorstellen, dass nach dem
Einfang des Neutrons der Urankern zu schwingen beginnt, sich ellipsenförmig
verformt, hantelförmig einschnürt und letztlich in zwei
mittelschwere Trümmerkerne sowie in zwei bis drei Neutronen zerfällt.
|
An der Stelle der Einschnürung berühren sich nur wenige
Nukleonen, sodass nur noch geringe Kernkräfte für den Zusammenhalt
zur Verfügung stehen. Die abstoßenden elektrischen Kräfte
zwischen den Protonen werden zwar mit zunehmender Entfernung etwas
kleiner, sie bleiben aber insgesamt bestehen. Von einer bestimmten
Einschnürung ab überwiegen sie schließlich und treiben
die beiden Teile des Kerns auseinander. Außerdem überwiegt
die Tendenz der Kernteilchen, sich zu kleineren Kernen zusammenzuballen,
weil das energetisch günstiger ist.
Die Spaltung eines Kerns Uran-235 kann verschiedene
Trümmerkerne ergeben. Dabei muss die Summe der Kernladungszahlen
der Trümmerkerne gleich der Kernladungszahl des Urans sein. Die
Massenzahlen der Trümmerkerne und der frei gewordenen Neutronen
betragen stets 236.
Die Massenzahlen der Trümmerkerne liegen etwa zwischen 70 und
160. Ein Maximum liegt bei der Massenzahl 95 (z. B. Strontium-90,
Krypton-89, Zirkonium-93), ein zweites Maximum bei der Massenzahl
140 (z. B. Barium-140, Cäsium-137, Cer-144). Die Massenzahlen
liegen am häufigsten im Verhältnis 2:3 zueinander.
Man kennt heute etwa 200 verschiedene Spaltprodukte des Uran-235,
die sich auf 35 verschiedene Elemente beziehen (von Zink/Kernladungszahl
30 bis zum Terbium/Kernladungszahl 65). Aufgrund des Neutronenüberschusses
sind die Spaltprodukte zum großen Teil radioaktiv. Sie wandeln
sich unter Aussenden von Betastrahlen in stabile Kerne um. Dabei werden
ganze Zerfallsreihen durchlaufen. Es ist aber auch Neutronenemission
möglich. |
|