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Im Jahr 1932 gelang dem Engländer Chadwick, die sehr
durchdringenden Strahlen richtig zu deuten, die beim Beschuss von
Beryllium mit Alphateilchen entstehen. Die dabei auftretenden Teilchen
nannte er wegen ihres elektrisch neutralen Charakters Neutronen.
Nachdem das Proton bereits 1919 durch Rutherford entdeckt
worden war, konnte man nun endlich den Aufbau der Atomkerne aus Protonen
und Neutronen erklären. Gleichzeitig hatte man ein Teilchen zur
Verfügung, das sich relativ leicht in andere Atomkerne einbauen
ließ. Ein Neutron wird von den positiven Ladungen der Protonen
nicht abgestoßen, da es ungeladen ist. Die freien Neutronen
wurden zunächst zur Erzeugung künstlicher Isotope benutzt.
Beim Beschuss von Uran und Thorium mit Neutronen wurde 1934 erstmals
die Vermutung geäußert, es könnten Elemente mit einer
Kernladungszahl über 92 entstehen (Transurane). Gleichzeitig
tauchte im selben Jahr die Vermutung auf, dass bei der Beschießung
schwerer Kerne mit Neutronen die Kerne in mehrere Bruchstücke
zerfallen könnten. Diese Annahme wurde aber nicht weiter überprüft.
Man bemühte sich zunächst, von den einzelnen Elementen Isotope
herzustellen. |
In Berlin waren die Chemiker Otto Hahn und Fritz Straßmann
(bis 1938 zusammen mit der Physikerin Lise Meitner) damit beschäftigt,
die geringen Mengen der erzeugten Isotope zu identifizieren. Chemische
Untersuchungen legten die Annahme nahe, dass beim Beschuss von Uran
mit Neutronen Radiumisotope entstanden seien.
Durch Gedankenaustausch mit anderen Forschern, vor allem mit der nach
Schweden emigrierten Lise Meitner, festigte sich die Überzeugung,
dass beim Beschuss von Uran mit Neutronen tatsächlich radioaktives
Barium entstanden war. Das konnte dann aber nichts anderes bedeuten,
als dass Urankerne gespalten worden waren.
Eine zweite Arbeit von Hahn und Straßmann, die im Januar 1939
zur Veröffentlichung eingereicht worden war, trägt bereits
den Titel: "Nachweis der Entstehung aktiver Bariumisotope aus
Uran und Thorium durch Neutronenbestrahlung; Nachweis weiterer aktiver
Bruchstücke bei der Kernspaltung". In diesem Aufsatz wird
also erstmals das Wort Kernspaltung veröffentlicht, das
von Lise Meitner und ihrem Mitarbeiter Otto Frisch geprägt
worden war. Es wird darin gleichzeitig aufgezeigt, dass als Spaltprodukte
nicht nur Barium, sondern auch radioaktive Isotope des Strontiums
und Tritiums entstanden waren.
Zur großen Überraschung der Forscher war damit die Kernspaltung
nachgewiesen worden. Bis dahin hatte man angenommen, dass von einem
Atomkern maximal zwei Neutronen und zwei Protonen (Alphateilchen)
abgespalten werden können. |
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