Energiebilanz bei der Kernspaltung


 
Im Urankern sind die Nukleonen (Protonen und Neutronen) mit einer mittleren Energie von etwa 7,6 MeV pro Nukleon gebunden. In den kleineren Spaltproduktkernen mit Massenzahlen zwischen 80 und 150 beträgt die mittlere Bindungsenergie je Nukleon aber etwa 8,5 MeV. Die Differenz von 0,9 MeV je Nukleon wird bei der Kernspaltung freigesetzt. Da der Urankern 235 Nukleonen besitzt, ergibt sich bei jeder Spaltung ein Energiebetrag:

W = 0,9 MeV · 235 ~ 210 MeV.


Er setzt sich aus folgenden Teilbeträgen zusammen:

Bewegungsenergie der Trümmerkerne: 175 MeV
Bewegungsenergie der prompten Neutronen: 5 MeV
Energie der prompten Gammastrahlung: 7 MeV
Energie der Betateilchen: 7 MeV
Energie der Gammaquanten: 6 MeV
Energie des Neutrinos: 10 MeV

Summe: 210 MeV

Die auseinander fliegenden Spaltprodukte sowie die Neutronen versetzen das sie umgebende Kristallgitter in heftigere Schwingungen und erhöhen dadurch seine Temperatur.

Vom Energiebetrag W = 210 MeV können in einem Kernreaktor nur etwa 190 MeV = 1,9 · 108 eV genutzt werden, das sind rund 90 %. (Die Energie der prompten Gammastrahlen wird nur z. T. im Innern des Reaktors absorbiert. Die Zerfallsenergie der Trümmerkerne wird z. T. erst im radioaktiven Abfall außerhalb des Reaktors frei. Die Energie der Neutrinos kann praktisch gar nicht genutzt werden, da sie mit Materie kaum wechselwirken.)

Die pro Kernspaltung nutzbare Energie von 1,9 · 108 eV ist ein sehr kleiner Betrag. Um 1 J Wärme zu erzeugen, müssen etwa 33 Mrd. Urankerne gespalten werden.