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Bei der Spaltung von Uran-235 entstehen neben den beiden
Spaltprodukten noch 2 bis 3 Neutronen. Damit kann man einen sich selbst
erhaltenden Kernspaltungsprozess ablaufen lassen. Unter geeigneten
Bedingungen können die freigesetzten Neutronen sofort weitere
Uranatome spalten, sodass ein lawinenartig ablaufender Spaltprozess
entsteht. Er wird als Kettenreaktion bezeichnet. |
Geht man davon aus, dass nach jeder Spaltung zwei freie Neutronen
zur Verfügung stehen, (tatsächlich sind es im Mittel 2,3),
sind es in den weiteren Schritten 4, 8, 16, 32, 64, 128 usw. Wenn
genügend Urankerne vorhanden sind, keine Neutronen nach außen
verloren gehen oder von Fremdatomen eingefangen werden, verdoppelt
sich die Anzahl der Kernspaltungen von Neutronengeneration zu Neutronengeneration
und der gesamte Vorgang läuft lawinenartig ab. Dabei werden ungeheure
Mengen an Energie in kürzester Zeit frei.
Bei reinem Uran-235 liegt die Lebensdauer einer Neutronengeneration
im Bereich von milliardstel Sekunden (10-9 s). Geht man
davon aus, dass pro Spaltung zwei Neutronen freigesetzt werden, wären
nach 100 Generationen also 2100 ~ 1030 Neutronen
entstanden. Das sind theoretisch mehr Neutronen, als zur Spaltung
auch größerer Massen Uran benötigt würden.
Nimmt man an, dass reines Uran-235 in Würfelform
vorliegt, das keine Neutronen absorbierenden Fremdatome enthält,
ist für die Auslösung einer Kettenreaktion allein entscheidend,
dass möglichst wenige Neutronen entweichen. Man erreicht es dadurch,
dass eine genügend große Masse gewählt wird.
Das Verhältnis der Oberfläche zum Volumen dieser Masse ist
dann klein. Diese Mindestmasse, in der eine Kettenreaktion
in Gang gesetzt werden kann, wird kritische Masse genannt.
Sie beträgt bei Uran-235 etwa 50 kg, wenn das Uran als festes
Metall in Kugelform vorliegt und die Neutronen unmoderiert und unreflektiert
sind. Der Durchmesser der Kugel liegt dann bei etwa 8,4 cm.
Die kritische Masse lässt sich verkleinern, wenn der spaltbare
Stoff von einem Reflektor (z.B. Graphit, Beryllium, schweres
Wasser) umgeben ist, der einen Teil der austretenden Neutronen wieder
in das Uran zurücklenkt, und wenn die Neutronen gebremst (moderiert)
werden. |
| Wenn man die Masse der Kernteilchen des Uran-235 und des primären
Neutrons mit der Summe der Massen der Spaltprodukte und der sekundären
Neutronen vergleicht, so ist nach der Kernspaltung ein geringer Massenverlust
festzustellen. Dieser Verlust entspricht der bei der Spaltung frei
werdenden Energie. |
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| Nach einem von Einstein 1905 formulierten Gesetz sind Masse
und Energie einander äquivalent. Sie sind zwei Formen ein und
desselben Phänomens. Masse lässt sich in Energie und Energie
in Masse überführen. |
| Das Gesetz lautet: |
W = m · c2 |
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W: Energie |
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m: Masse |
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c: Vakuumlichtgeschwindigkeit |
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| Bei einer vollständigen Spaltung von 1 kg Uran-235 tritt ein
Massenverlust von 1 g auf. Die Spaltprodukte und sekundären Neutronen
haben also nur noch eine Masse von 999 g. Dieses 1 g wird in Energie
umgewandelt. |
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