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Eine kontrollierte Kettenreaktion lässt sich nur entwickeln,
wenn eine ausreichende Anzahl von Neutronen zur Verfügung steht.
Bei der Spaltung eines Kerns U-235 entstehen zwei mittelschwere
Trümmerkerne sowie zwei bis drei Neutronen. Diese
Spaltneutronen haben unterschiedliche Energie (Geschwindigkeiten).
Am häufigsten tritt der Wert von 0,7 MeV auf, im Mittel liegt
ihre Energie bei etwa 1,5 MeV.
Zur Charakterisierung der Neutronen nach ihrer Energie bzw. ihrer
Geschwindigkeit wird folgende Einteilung vorgenommen:
- langsame (thermische) Neutronen mit einer Energie < 10 eV
- mittelschnelle Neutronen mit einer Energie von 10 eV bis 0,1
MeV
- schnelle Neutronen mit einer Energie > 0,1 MeV
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Die angegebenen Energiebeträge stellen Richtwerte dar, die
Übergänge sind fließend. Die bei der Spaltung von
U-235-Kernen auftretenden Neutronen gehören praktisch ausschließlich
zu den schnellen Neutronen (W > 0,1 MeV).
In einem Reaktor kann mit den Spaltneutronen grundsätzlich Folgendes
geschehen:
- Sie verlassen die Spaltzone und gehen dadurch für weitere
Spaltungen verloren.
- Sie werden von U-238, von den für die Reaktorfunktionen
notwendigen Materialien oder von stets vorhandenen Verunreinigungen
aufgenommen, wodurch künstliche Isotope entstehen.
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So wandelt sich beispielsweise Sauerstoff-16, der im Kühlmittel
eines Siedewasserreaktors enthalten ist, z. T. durch Neutroneneinfang
in Stickstoff-16 um. Er ist radioaktiv (HWZ 7,13 s), sodass Strahlenschutzmaßnahmen
getroffen werden müssen.
Die Wahrscheinlichkeit für einen Neutroneneinfang ist
von der Bewegungsenergie der Neutronen abhängig. Die Wahrscheinlichkeit
ist meist desto größer, je langsamer die Neutronen sind.
Das Neutron kann dann längere Zeit in Kernnähe verweilen,
wodurch die Wahrscheinlichkeit für eine Einfangreaktion größer
wird.
- Es finden elastische oder unelastische Zusammenstöße
mit Atomkernen statt, wodurch die Neutronen Energie verlieren.
Ihre Geschwindigkeit wird dadurch verringert. Elastische Zusammenstöße
finden im Energiebereich 10 keV bis 1 MeV statt. Die Summe der
Bewegungsenergien der Stoßpartner vor und nach dem Stoß
ist dann gleich: W1 = W2 + W3. Zu unelastischen Zusammenstößen
kommt es vorwiegend im Energiebereich zwischen 1 MeV und 10 MeV.
Dabei ist die Summe der Bewegungsenergien vor und nach dem Stoß
nicht gleich. Das Neutron hat den Atomkern angeregt, der die Anregungsenergie
in Form eines Gammaquants wieder abgibt.
- Neutronen werden von Kernen des U-235 aufgenommen und lösen
dadurch weitere Kernspaltungen aus.
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| Wenn in einem Reaktor eine sich selbst erhaltende Kettenreaktion
abläuft, sagt man, der Reaktor ist kritisch. Eingeleitet
wird die Kettenreaktion mithilfe einer Neutronenquelle. |
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