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Kernkraftwerke besitzen eine Reihe von Barrieren,
die zwei Funktionen erfüllen. Sie schirmen die Direktstrahlung
ab und sie verhindern wirksam das Austreten radioaktiver Stoffe.
Alpha- und Betastrahlen werden durch das Kühlwasser vollständig
abgeschirmt. Das Reaktordruckgefäß verringert die Gammastrahlung
auf den 100 000sten Teil der Strahlung im Reaktorkern. Eine fast vollständige
Abschirmung der verbleibenden Gammastrahlung und der Neutronenstrahlung
geschieht durch einen 2 m dicken Schild aus Stahlbeton, der das Reaktordruckgefäß
umgibt. Sicherheitsbehälter und Reaktorgebäude bilden weitere
Barrieren, sodass außerhalb des Reaktors kaum direkte Strahlung
aus dem Reaktor auftritt. Das Reaktorgebäude übernimmt gleichzeitig
den Schutz des Reaktors gegen äußere Einwirkungen (z. B.
Erdbeben, Flugzeugabsturz, Druckwellen).
Einige der Barrieren zur Strahlenabschirmung sind gleichzeitig Sicherheitsbarrieren
gegen das Austreten radioaktiver Stoffe. Sie sind bei Siedewasser-
und bei Druckwasserreaktoren vorhanden. Beim so genannten 6-Barrieren-System
sind das im Einzelnen: |
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- Kristallgitter des Brennstoffes
- Metallumhüllung der Brennstäbe
- der Reaktordruckbehälter mit dem angeschlossenen Rohrsystem
des Primärkühlkreises
- Betonabschirmung
- Sicherheitsbehälter mit Dichthaut
- Stahlbetonhülle
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Der Brennstab
Erste Barriere sind die keramischen Brennstofftabletten
selbst, die den größten Teil der Spaltprodukte zurückhalten.
Für die Kernspaltung in Leichtwasserreaktoren wird heut fast
ausschließlich Uran-235 verwendet. Es ist in dem in der Natur
vorkommenden Uran mit einem Anteil von etwa 0,7 % enthalten. Dieser
Anteil wird in dem so genannten Kernbrennstoff auf 3 bis 5 % angereichert. |
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Metallumhüllung der Brennstäbe
Die Brennstäbe haben bei einem der heute üblichen Siedewasserreaktoren
eine Länge von 4,17 m und einen äußeren Durchmesser
von ca. 11 mm.
Als zweite Barriere fungiert eine Metallumhüllung, bestehend
aus Zirkaloy (Zirkoniumlegierung) mit einer Wandstärke
von 0,65 mm. Das Material der Brennstäbe soll den Kernbrennstoff
von dem Kühlmittel des Primärkreislaufes trennen und außerdem
verhindern, dass die bei der Kernspaltung entstehenden Spaltprodukte
in das Kühlmittel gelangen. Weitere Anforderungen sind mechanische
Festigkeit, Korrosions- und Hitzebeständigkeit sowie eine geringe
Neigung zur Neutronenabsorption.
Die aus Urandioxid (UO2) gepressten, gesinterten (durch
Erhitzen zusammengebackenen) und geschliffenen Pellets werden
in das mit Endkappen verschlossene Rohr eingebracht. Eine Schraubenfeder
drückt von oben auf die Pellets und hält sie in einer Säule
fest zusammen. Dadurch wird gleichzeitig oberhalb des Kernbrennstoffes
ein Raum für die bei der Kernspaltung entstehenden Edelgase und
die leichtflüchtigen Spaltprodukte (Halogene) geschaffen. Der
Spaltgasraum verhindert somit ein unzulässiges Anwachsen des
Gasdruckes im Brennstoff bei der sehr starken Erwärmung. |
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Eine größere Anzahl von Brennstäben wird zu einem
quadratischen Brennelement mithilfe von Abstandshaltern zusammengefasst.
In Siedewasserreaktoren sind etwa 70 Brennstäbe und in Druckwasserreaktoren
etwa 200 Brennstäbe in einem Element angeordnet. In Siedewasserreaktoren
befinden sich etwa 800 und in Druckwasserreaktoren etwa 200 Brennelemente
mit einer Gesamtmenge von ca. 150 Tonnen Urandioxid im Reaktorkern.
Das als Kühlmittel und Moderator dienende Wasser strömt
von unten an den durch die Kernspaltung erhitzten Brennstäben
vorbei und führt somit die Wärme ab. |
Reaktordruckbehälter
Das Reaktordruckgefäß mit dem angeschlossenen Rohrsystem
für das Kühlmittel bildet die dritte Barriere. Das Reaktordruckgefäß
eines modernen Siedewasserreaktors ist ein zylindrischer Stahlbehälter.
Beim Kraftwerk Krümmel hat er eine lichte Höhe von 22,38
m und einen Innendurchmesser von etwa 6,78 m. Seine Wandstärke
beträgt 17 cm und sein Leergewicht beläuft sich auf 814
t. |
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Das Druckgefäß steht in einer Betonkammer (mit besonderer
Kühlung), die die Funktion einer Strahlenabschirmung hat (so
genannter biologischer Schild). Sie stellt die vierte Sicherheitsbarriere
dar. Bei der Vielzahl der Brennstäbe, die in einem Kernreaktor
enthalten sind, können vereinzelte Undichtigkeiten nicht ausgeschlossen
werden. Ein geringer Anteil der im Brennstoff entstandenen radioaktiven
Substanzen kann so in das Kühlmittel gelangen. |
Außerdem befinden sich im Wasser z. T. durch Neutronen aktivierte
Korrosionsprodukte. Ein Austreten dieser Aktivitäten wird durch
das Reaktordruckgefäß und die Wandungen des Kühlmittelkreises
verhindert. Darüber hinaus wird dem Reaktorkühlkreislauf
fortlaufend Wasser entnommen, von Korrosions- und Spaltprodukten befreit
und dann gereinigt dem Kreislauf wieder zugeführt.
Die einzelnen Teile des Kühlmittelkreises sind durch Schweißnähte
miteinander verbunden. Ihre Dichtigkeit wird durch besondere Prüfverfahren
(Ultraschall, Röntgenstrahlen) in regelmäßigen Zeitabständen
nachgewiesen. Sind an einzelnen Stellen des Kühlmittelkreislaufes
Durchführungen nach außen erforderlich, z. B. für
Pumpen, Ventile, Absperrschieber oder Wellen, so werden geeignete
technische Maßnahmen vorgesehen, damit das Kühlmittel nicht
austreten kann. Hierzu gehört beispielsweise die Verwendung spezieller
Stopfbuchsen. |
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Der Sicherheitsbehälter mit den dazugehörigen Einrichtungen,
wie z. B. schnell schließende Armaturen in den aus dem Sicherheitsbehälter
herausführenden Rohrleitungen, stellt die fünfte Sicherheitsbarriere
in einem Kernkraftwerk dar. Er umschließt das Reaktordruckgefäß
und den unmittelbar daran anschließenden Teil des Kühlmittelkreislaufes. |
Bei Siedewasserreaktoren wird ein Sicherheitsbehälter mit
Druckabbausystem verwendet. Dadurch wird erreicht, dass der Behälter
für einen niedrigeren Druck, als er sich beim völligen Ausdampfen
des Kühlmittels ergeben würde, ausgelegt bzw. kleiner ausgeführt
werden kann. Dies wird dadurch ermöglicht, dass der z. B. aus
einem Leck möglicherweise austretende Dampf über Rohrleitungen
in Wasserbecken geleitet wird und dort kondensiert.
(Neben dem Sicherheitsbehälter mit Druckabbausystem gibt es den
Volldrucksicherheitsbehälter: Er hält dem Druck stand, der
beim völligen Ausdampfen des Kühlmittels entsteht.)
Der Sicherheitsbehälter eines heutigen Siedewasserreaktors hat
die Form einer Kugel mit einem Innendurchmesser - z. B. beim Kernkraftwerk
Krümmel - von 29,6 m. Seine Wandstärke beträgt maximal
30 mm. Da Behälter von solcher Größe nicht absolut
gasdicht hergestellt werden können, befindet sich in einigen
Zentimeter Abstand von der Außenwand des Sicherheitsbehälters
noch eine Dichthaut aus Stahl von etwa 4 Millimeter Wandstärke.
Der Zwischenraum wird durch Absaugung ständig auf Unterdruck
gehalten. Dadurch wird eine unkontrollierte Aktivitätsabgabe
verhindert. An geeigneten Stellen sind Personen- und Materialschleusen
vorgesehen.
Damit bei einem Unfall die Innenwand des Sicherheitsbehälters
durch das Platzen Druck führender Anlagenteile nicht beschädigt
werden kann, sind diese Komponenten innerhalb des Behälters noch
besonders gesichert. |
Stahlbetonhülle
Der stählerne Sicherheitsbehälter ist zusätzlich
von einer bis zu 1,80 m dicken Hülle aus Stahlbeton umschlossen.
Sie ist das eigentliche Reaktorgebäude. Dadurch soll der Reaktor
gegen äußere Einwirkungen wie Flugzeugabsturz, Druckwellen
eines explodierenden Flüssiggastankers und Sabotage geschützt
werden. |
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