| |
Rückhalteeinrichtungen
Beim Normalbetrieb eines Kernkraftwerkes fallen gasförmige,
flüssige und feste radioaktive Substanzen an. Für die
Beseitigung dieser "Abfälle" ist eine Reihe von Maßnahmen
und Verfahren entwickelt worden, von denen hier zunächst nur
die Rückhalteeinrichtungen beschrieben werden, die vor
der zulässigen Abgabe bestimmter gasförmiger, leichtflüchtiger
und flüssiger radioaktiver Stoffe an die Umgebung eingesetzt
werden.
Von den bei der Kernspaltung entstehenden über 200 verschiedenen
Spaltprodukten sind 20 % Edelgase. Größere Halbwertszeiten
haben Xe-133 und Kr-85, die deshalb auch den Hauptanteil der Edelgasaktivität
in der Abluft ausmachen. Leichtflüchtig sind außerdem Jod,
Rubidium und Cäsium. Ihr Anteil an der Gesamtaktivität der
Abluft ist zwar relativ gering, doch können diese Substanzen
im Gegensatz zu den Edelgasen chemische Verbindungen eingehen und
sich deshalb im menschlichen Körper einlagern.
Bei einem Siedewasserreaktor strömen die im Reaktorwasser gelösten
Gase und leichtflüchtigen Substanzen mit dem Dampf über
die Turbine in die Kondensatoren. Von dort führt man sie einer
Abgasaufbereitungsanlage zu. |
|
Dort werden die Gase über eine Verzögerungsleitung
(Sandfilter), eine Aktivkohle-Verzögerungsanlage
und einen Absolutfilter geleitet, ehe sie zusammen mit der
Gebäudeluft über den Kamin abgegeben werden. Beim Austritt
aus dem Kamin verteilt sich die Restaktivität auf ein großes
Luftvolumen. |
| Die Aktivkohle-Verzögerungsanlage besteht aus mehreren
hintereinander geschalteten, tiefgekühlten Aktivkohlefiltern.
Die Gase werden zunächst in der ersten Filterschicht adsorbiert.
Im Laufe der Zeit bewegen sie sich durch Austausch langsam durch die
Kohlefilterstrecke. Der überwiegende Teil der radioaktiven Substanzen
zerfällt innerhalb der Verzögerungsstrecken. |
|
Die radioaktiven Gase und leichtflüchtigen Substanzen aus
dem Primärkühlkreis können durch Undichtigkeiten der
Rohrleitungssysteme in die Gebäude des Kernkraftwerkes gelangen.
Die Raumluft kann deshalb ebenfalls radioaktive Substanzen in Form
von Gasen und Aerosolen enthalten. Auch sie wird nach weitgehendem
Abbau ihrer Aktivität kontrolliert über den Kamin abgeführt.
Für das in Kernkraftwerken anfallende Abwasser gibt es Sammel-
und Aufbereitungsanlagen. Zur Beseitigung zu hoher Konzentrationen
an radioaktiven Substanzen werden physikalische und chemische Reinigungsverfahren
angewandt, z. B. Filtern, Eindampfen, Fällen, Einsatz von lonenaustauschern.
Nach Anwendung dieser Verfahren wird das aufbereitete Wasser zum größten
Teil in den Primärkühlkreis zurückgepumpt, während
das überschüssige gereinigte Abwasser von Zeit zu Zeit und
nach vorheriger mehrfacher Untersuchung zusammen mit dem Kondensatorkühlwasser
in den Vorfluter (Fluss) geleitet wird.
Kontrollierte Abgabe radioaktiver Stoffe
Bei der Freisetzung von Radionukliden mit Abluft und Abwasser
unterscheidet man zwischen Genehmigungswerten und Abgabewerten. |
|
Die Genehmigungswerte legt die Aufsichtsbehörde fest. Sie dürfen
auch unter ungünstigen Verhältnissen nicht überschritten
werden. Die Genehmigungswerte garantieren, dass die Bevölkerung
keiner unzumutbaren Strahlenbelastung ausgesetzt ist. Der Genehmigungswert
ergibt sich aus Betriebserfahrungen bei anderen Kernkraftwerken und
aufgrund von Berechnungen für die neue Anlage.
Die tatsächlichen Abgabewerte, die während des Betriebes
ermittelt werden, ergeben meist nur wenige Prozent der Genehmigungswerte.
Welche Mengen radioaktiver Stoffe letztlich an die Umgebung abgegeben
werden, ist vom Reaktortyp, der Reaktorleistung und der Betriebsweise
abhängig. |
|