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Allgemeines
Obwohl bei den in der Bundesrepublik Deutschland gebauten Leichtwasserreaktoren
ein gleichzeitiges Versagen aller Notkühlsysteme praktisch ausgeschlossen
werden kann, besteht theoretisch dennoch die Möglichkeit für
den Eintritt eines solchen Ereignisses (Restrisiko). Hundertprozentige
Sicherheit ist bei keinem technischen System zu erreichen. |
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Auch bei einem Ereignis im Bereich des Restrisikos lässt sich
eine Freisetzung größerer Spaltproduktmengen verhindern.
Dabei ist von entscheidender Bedeutung, dass die Barrierenfunktion
des Sicherheitsbehälters erhalten bleibt, d. h. der Sicherheitsbehälter
nicht durch Überdruck zerstört wird. |
Ein Druckaufbau im Sicherheitsbehälter
über den Auslegungsdruck hinaus
Ein Druckaufbau im Sicherheitsbehälter über den
Auslegungsdruck hinaus (bei Siedewasserreaktoren etwa 3,5 bar) wäre
theoretisch möglich, wenn die Nachzerfallswärme nicht aus
dem Sicherheitsbehälter nach draußen abgeführt werden
kann oder wenn die Wassereinspeisung aller Notkühlsysteme versagt.
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| Im letztgenannten Fall käme es nicht
nur zu einem Anstieg des Dampfdruckes, sondern auch zur Entstehung
von Wasserstoff aufgrund einer chemischen Reaktion zwischen schmelzendem
Hüllrohrmetall und Wasser. Der Druck würde dramatisch verstärkt,
wenn es zu einer Verbrennung des Wasserstoffs mit dem Sauerstoff der
Atmosphäre käme. Um den Sicherheitsbehälter vor einem
Überdruckversagen zu schützen, müssen also eine Verbrennung
des entstandenen Wasserstoffs verhindert und die Möglichkeit
zu einer Druckentlastung geschaffen werden. |
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Möglichkeiten hierfür sind eine Stickstofffüllung
und eine gefilterte Druckentlastung.
Stickstofffüllung |
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Wasserstoff kann nur verbrennen, wenn Sauerstoff
zugegen ist. Der Sauerstoffgehalt im Sicherheitsbehälter wird
deshalb während des normalen Kraftwerkbetriebes von 20 % auf
< 5 % verringert. Ein Verbrennungsvorgang, gleich welcher Art,
ist dann nicht mehr möglich. Bei Arbeiten im Sicherheitsbehälter
beseitigt man den erhöhten Stickstoffanteil wieder, sodass
der Behälter gefahrlos betreten werden kann. |
| Gefilterte Druckentlastung |
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Durch Absaugen des Dampf-Gas-Gemisches, das bei
einem solchen Störfall anfiele, ließe sich der Druck im
Sicherheitsbehälter verringern. Das geschieht automatisch beim
Überschreiten des Auslegungsdruckes. Der Entlastungs-Gasstrom
würde dann über Aerosolfilter geleitet und dadurch von radioaktiven
Stoffen weitestgehend gereinigt. Das wird durch eine Gaswäsche
und nachgeschaltete Feinstfilter erreicht. Nach der Reinigung kann
der Gasstrom über den Abluftkamin kontrolliert an die Umgebung
abgegeben werden. |
Gleichzeitiger Ausfall aller Notkühlsysteme
Bei gleichzeitigem Ausfall aller Notkühlsysteme käme
es nicht nur zu einem Druckanstieg im Sicherheitsbehälter, sondern
auch zu einem Temperaturanstieg im Reaktorkern. Nach sehr kurzer Zeit
wäre die Schmelztemperatur der Brennelementhüllrohre erreicht
(ca. 1 900 °C). Der geschmolzene Reaktorkern befände sich
dann im unteren Teil des Reaktordruckbehälters, wo er sich bis
auf 2 400 °C aufheizen könnte. Da Stahl bereits bei 1 700
°C schmilzt, würde - wenn keines der ausgefallenen Notkühlsysteme
wieder aktiviert werden könnte - der Boden des Reaktordruckbehälters
durchschmelzen.
Anschließend könnte es zum Schmelzen des Betons kommen
(Schmelztemperatur ca. 1 400 °C). Je mehr Beton aber geschmolzen
würde, desto niedriger läge die Temperatur der Schmelze,
da sich nun die Nachzerfallswärme auf eine größere
Masse mit größerer Oberfläche verteilt. Man geht deshalb
davon aus, dass nach etwa 3 Stunden die Temperatur der Schmelze auf
1 500 °C abgesunken wäre. Unter der Annahme, dass auf Dauer
keines der vier Notkühlsysteme erneut in Betrieb gesetzt werden
könnte und die Schmelze sich selbst überlassen wäre,
würde es Monate dauern, bis das 5 m starke Betonfundament zerstört
wäre. Wahrscheinlich käme es aber zum Erstarren der Schmelze
im Fundament.
Risikostudien
Nach der deutschen Risikostudie können Kernschmelzunfälle
nur einmal in 10 000 Reaktorbetriebsjahren vorkommen. Nur bei 1 %
dieser Ereignisse (also einmal in 1 Million Reaktorbetriebsjahren)
müsste dabei mit Todesfällen gerechnet werden. Das aus Kernschmelzunfällen
resultierende Risiko ist also extrem klein. Trotzdem ist man im Rahmen
der Sicherheitsforschung bemüht, weitere Kenntnisse über
solche hypothetischen Störfälle zu erhalten (Simulationsexperimente)
und das Reaktorschutzsystem noch weiter zu verbessern. |
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