Wechselwirkungen von Neutronen mit Materie


 
Neutronen besitzen keine elektrische Ladung. Sie sind elektrisch neutral und können deshalb auf die Atomhüllen der Materie nicht einwirken. Direkte Ionisationen und Anregungen finden nicht statt.

Die Wechselwirkungen der Neutronen mit Materie beruhen auf Zusammenstößen mit den Atomkernen.
Elastische Zusammenstöße finden im Energiebereich 10 keV bis 1 MeV statt. Die Summe der Bewegungsenergien der Stoßpartner vor und nach dem Stoß ist dann gleich: W1 = W2 + W3.

Zu unelastischen Zusammenstößen kommt es vorwiegend im Energiebereich zwischen 1 MeV und 10 MeV. Dabei ist die Summe der Bewegungsenergien vor und nach dem Stoß nicht gleich. Das Neutron hat den Atomkern angeregt, der die Anregungsenergie in Form eines Gammaquants wieder abgibt.

Ein Neutron kann seine Bewegungsenergie am besten auf einen Kern übertragen, wenn Kern und Neutron dieselbe Masse haben. Beim Kern eines Wasserstoffatoms (Proton) ist eine Energieübertragung zu fast 100 % möglich.
Der von einem Neutron angestoßene Kern, der nun selbst Bewegungsenergie besitzt, wird Rückstoßkern genannt. Seine Bewegungsenergie kann so groß sein, dass er sich aus dem Atom- oder Molekülverband löst und andere Atome in seiner Umgebung ionisiert oder anregt.

Neutronen können von Atomkernen des Wechselwirkungsmaterials eingefangen werden, wodurch meist instabile Kerne entstehen. Sie wandeln sich wieder in stabile Kerne um, indem sie geladene Teilchen und oft gleichzeitig Gammaquanten aussenden.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Neutroneneinfang ist von ihrer Bewegungsenergie abhängig. Sie ist meist desto größer, je langsamer die Neutronen sind. Das Neutron kann dann längere Zeit in Kernnähe verweilen, wodurch die Wahrscheinlichkeit für eine Einfangreaktion größer wird.