Bestimmung von Radionukliden mit der Gammaspektroskopie


 
Bei der Bestimmung der Gesamtaktivität kann man nicht angeben, welche Radionuklide die Strahlung verursacht haben. Da die einzelnen Radionuklide aber für den Menschen unterschiedlich gefährlich sind, muss man sie aus Gründen des Strahlenschutzes einzeln bestimmen. Durch chemische Analysen lassen sich die Radionuklide nicht ermitteln, weil es sich in der Regel um extrem kleine Mengen (milliardstel Gramm) handelt und weil radioaktive und nicht radioaktive Nuklide eines Elements sich chemisch identisch verhalten.

Die einzelnen Radionuklide senden aber (von wenigen Ausnahmen abgesehen) bei der Kernumwandlung Gammaquanten mit ganz charakteristischen Energien aus. Wenn man also ihre Energie bestimmt, weiß man, welches Radionuklid in dem untersuchten Stoff vorhanden ist. Dazu sucht man zu den ermittelten Energiewerten in einer Tabelle die dazugehörigen Radionuklide auf.

Zur Bestimmung der Gammaenergie kann z. B. ein Szintillationszähler oder ein Halbleiterdetektor verwendet werden.


Der Halbleiterdetektor besteht im Prinzip aus einer Halbleiterdiode, die in Sperrrichtung betrieben wird. Dringt ein Gammaquant in die Sperrschicht, werden in ihr Elektronen-Loch-Paare erzeugt. Bei Silizium beträgt die Energie dafür 3,23 eV, bei Germanium 2,84 eV.

Der dadurch hervorgerufene geringe Strom in Sperrrichtung führt an einem Arbeitswiderstand zu einem Spannungsabfall, der sich elektronisch weiter verarbeiten lässt.

Jedes Gammaquant erzeugt einen Spannungsimpuls, der gezählt werden kann. Die Amplitude des Spannungsimpulses ist proportional zur Energie, die das Quant an das Halbleitermaterial abgegeben hat. Wird die gesamte Energie eines Gammaquants im Halbleitermaterial aufgezehrt, ist die Höhe des Spannungsimpulses der Energie des Quants proportional. Zur Unterscheidung der Energie der Gammaquanten müssen also die Spannungsimpulse nach ihrer Höhe "elektronisch sortiert" werden. Das geschieht mithilfe eines Computers.

Damit in Halbleiterdetektoren durch die Umgebungswärme nicht unkontrolliert Elektronen-Loch-Paare entstehen, muss der Kristall mit flüssigem Stickstoff gekühlt werden. Zur Herabsetzung der natürlichen Umgebungsstrahlung wird außerdem eine 5 cm dicke Bleiabschirmung eingesetzt. Halbleiterdetektoren, mit denen Alpha- und Betateilchen nachgewiesen werden sollen, müssen eine Sperrschicht dicht unter der Oberfläche des Kristalls besitzen.