Durch Kernwaffentests hervorgerufene Strahlenbelastung


 
Zwischen 1945 und 1991 wurden weltweit etwa 420 oberirdische und etwa 1 100 unterirdische Kernwaffentests durchgeführt. Die genaue Anzahl ist nicht bekannt, da nicht alle Testexplosionen angezeigt worden sind. Der Höhepunkt der Tests in Bezug auf Anzahl und Sprengkraft der Explosionen lag in den Jahren 1961 und 1962. Seit 1963 gilt zwischen den USA, der ehemaligen UdSSR und Großbritannien ein Teststoppabkommen für oberirdische Kernwaffenversuche. Nur die Volksrepublik China und Frankreich haben seitdem über 63 oberirdische Tests vorgenommen.

Kernwaffen beruhen auf dem Prinzip der Kernspaltung und gegebenenfalls zusätzlich der Kernfusion (Wasserstoffbombe). Bei der Kernspaltungsbombe laufen in U-235 oder Pu-239 unkontrollierte Kettenreaktionen ab. Bei der Kernfusion verschmelzen Deuterium (H-2) oder Tritium (H-3) zu Helium. Die Sprengkraft beruht auf der dabei auftretenden Hitze- und Druckwelle. Außerdem entsteht eine sehr intensive Neutronen- und Gammastrahlung.

Die Gefährdung des Menschen durch Kernwaffentests wird ausschließlich durch die Radionuklide verursacht, die bei der Explosion entstehen. Es sind radioaktive Spaltprodukte und Aktivierungsprodukte sowie nicht gespaltenes Uran oder Plutonium.

Durch unterirdische Tests ist bisher nur wenig Aktivität in die Atmosphäre gelangt. Oberirdische Tests haben aber in der Atmosphäre Radionuklide freigesetzt, die sich nun auch in den Nahrungsketten befinden. Durch den weltweiten Fallout ist es zu einer äußeren und einer inneren Strahlenbelastung des Menschen gekommen.

Die äußere Bestrahlung wurde durch einige kurzlebige Radionuklide (z. B. Zr-95, Nb-95, Ru-103, Ba-140) und durch Cs-137 verursacht. Dabei waren praktisch nur die Gammastrahlen wirksam. Heute spielt im Wesentlichen nur noch die innere Bestrahlung durch Cs-137 und Sr-90 eine Rolle.

Da der Mensch sich in einem dauernden Stoffaustausch mit seiner Umgebung befindet, ergab sich nach den Kernwaffentests auch eine erhöhte Aktivität des menschlichen Körpers. Die mittlere individuelle Dosisleistung in der Bundesrepublik Deutschland durch äußere und innere Strahleneinwirkungen aufgrund der Tests beträgt im Mittel weniger als 0,01 mSv/a. Sie lag zur Zeit der Kernwaffenversuche höher und nimmt im Weiteren ständig ab.