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| Bei der Abschirmung ionisierender Strahlen finden Wechselwirkungen
der Strahlungsteilchen und Quanten mit dem Abschirmmaterial statt.
Dabei können Energie und Bewegungsrichtung der Teilchen und Quanten
geändert werden, andere Strahlungsteilchen oder Quanten entstehen
oder die Strahlung kann völlig verschwinden. |
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Abschirmung von Alphastrahlen
Alphateilchen geben ihre Energie im Wesentlichen dadurch ab, dass
sie Atome oder Moleküle der durchstrahlten Materie ionisieren
oder anregen. Da die Ionen in sehr großer Dichte erzeugt werden,
verlieren Alphateilchen ihre Energie auf sehr kurzer Strecke. In Luft
beträgt die Reichweite deshalb nur wenige Zentimeter, im Gewebe
weniger als 0,1 mm. Im Prinzip lassen sich Alphastrahlen also bereits
durch ein Blatt Papier vollständig abschirmen.
Die geringe Reichweite von Alphateilchen in Luft bewirkt, dass in
etwa 10 cm Entfernung von der Strahlenquelle keine Belastung des Menschen
durch Alphateilchen auftreten kann.
Treffen Alphateilchen auf unbekleidete Körperteile des Menschen,
werden sie bereits durch die oberen Hautschichten vollständig
abgeschirmt. Die Haut selbst kann aber u. U. geschädigt werden.
Abschirmung von Betastrahlen
Treffen Betateilchen auf Materie, verlieren sie ihre Energie durch
Ionisationen, Anregung, Streuung und Erzeugung von Bremsstrahlung.
Ionisation und Erzeugung von Bremsstrahlung sind die wichtigsten Wechselwirkungsprozesse.
Die Betateilchen treten im Wesentlichen mit den Hüllelektronen
der Atome in Wechselwirkung. Daraus folgt, dass sie ihre Energie auf
desto kürzeren Strecken verlieren, je größer Dichte
und Ordnungszahl des Abschirmmaterials sind.
In der Praxis werden zur Abschirmung von Betastrahlen jedoch keine
Materialien höherer Ordnungszahl verwendet, weil die Energie
der auftretenden Bremsstrahlung mit der Ordnungszahl wächst.
Die "härtere" Bremsstrahlung müsste dann ihrerseits
durch zusätzliche Materialschichten abgeschirmt werden.
Zur optimalen Abschirmung von Betastrahlen wird eine Kombination zweier
verschiedener Materialien verwendet. Der Strahlenquelle zugewandt
ist ein Absorbermaterial niedriger Ordnungszahl, wobei die Materialdicke
etwas größer gewählt wird als die Reichweite der Betastrahlen
in diesem Material. Dadurch wird die Betastrahlung vollständig
absorbiert und es entsteht nur wenig Bremsstrahlung geringerer Energie.
Ein zusätzliches Material hoher Ordnungszahl (z. B. Blei) schwächt
dann die Bremsstrahlung. Es kann bei Strahlenquellen geringer Stärke
entfallen.
Die maximale Energie von Betateilchen, die die meisten Radionuklide
aussenden, ist nicht größer als 1 bis 2 MeV. Zur vollständigen
Abschirmung sind also 4 mm Aluminium ausreichend. Neben Aluminium
werden auch Kunststoffe zur Abschirmung von Betastrahlen eingesetzt.
Betateilchen, die von außen auf den menschlichen Körper
treffen, dringen nur wenige Millimeter ein. Es können also nur
die obersten Hautschichten geschädigt werden. Eine Ausnahme bildet
das Auge. Durch Betastrahlen kann es zur Trübung der Augenlinse
kommen.
Abschirmung von Gammastrahlen
Durchdringt Gammastrahlung Materie, wird sie durch eine Reihe
von Wechselwirkungsprozessen, die mit den Hüllelektronen oder
den Atomkernen stattfinden, geschwächt. Es lässt sich aber
immer nur ein bestimmter Anteil der Strahlung abschirmen, also nicht
die gesamte Strahlung. Einzelne Gammaquanten können beliebig
dicke Materieschichten durchdringen, wobei die Wahrscheinlichkeit
dafür mit wachsender Schichtdicke immer geringer wird. Die Abschirmung
der Gammastrahlung ist somit schwieriger als die der Alpha- oder Betastrahlung.
Für Gammastrahlung lässt sich keine maximale Reichweite
angeben. Durch Absorbermaterialien erreicht man lediglich eine Schwächung
der Strahlungsintensität auf einen bestimmten Bruchteil. Dabei
hängt die Stärke der Schwächung von der Energie der
Strahlung und dem verwendeten Abschirmmaterial ab. Höhere Energie
der Gammaquanten bedeutet ein größeres Durchdringungsvermögen,
und eine höhere Ordnungszahl des Wechselwirkungsmaterials führt
zu einer größeren Abschirmung.
Zur Abschätzung der Materialdicken, die für die Strahlenabschirmung
benötigt werden, hat man für die Strahlenschutzpraxis die
Halbwertsschicht und die Zehntelwertsschicht definiert. Durch diese
Schichten wird die Intensität der Strahlung auf die Hälfte
bzw. ein Zehntel reduziert. |
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| Für den Schutz vor Gammastrahlung ist Blei (z. B. in Form von
Bleiziegeln) ein geeignetes Abschirmmaterial. In besonderen Fällen
wird wegen der höheren Dichte Wolfram oder abgereichertes Uran
verwendet, da sie zu einer noch stärkeren Schwächung der
Strahlung führen. Da sie aber nicht immer verfügbar sind
und ihre Bereitstellung hohe Kosten verursacht, spielen sie in der
Strahlenschutzpraxis keine bedeutsame Rolle. Steht für den Strahlenschutz
genügend Raum zur Verfügung, können auch andere, billigere
Materialien verwendet werden, z. B. Eisen, Beton oder auch Wasser.
Es ist dann eine dem Blei äquivalente, dickere Materialschicht
zu wählen. |
Abschirmung von Neutronenstrahlen
Bei Neutronenstrahlen ist die Dosisleistung desto höher,
je größer die Energie der Neutronen ist. In einem ersten
Schritt muss deshalb ihre Geschwindigkeit herabgesetzt werden. Dazu
eignen sich am besten wasserstoffhaltige Materialien (z. B. Polyäthylen,
Paraffin, Wasser), da die Masse von Neutron und Wasserstoffkern (Proton)
praktisch gleich groß ist und bei Stößen besonders
hohe Energiebeträge übertragen werden können.
Auch Neutronen mit thermischen Geschwindigkeiten sind für Menschen
noch gefährlich. Sie können von Atomkernen eingefangen werden
und dabei Strahlung aussenden oder zuvor nicht radioaktive Kerne in
radioaktive Kerne umwandeln. In einem zweiten Schritt müssen
deshalb die thermischen Neutronen eingefangen werden. Dafür eignen
sich z. B. Bor oder Cadmium. Eine 6,5 mm dicke Boralschicht (Aluminium
+ B4C-Zusatz) schwächt den Fluss thermischer Neutronen
um den Faktor 1010. |
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Beim Einfang der Neutronen wird eine Sekundärstrahlung
ausgesandt. Zur Abschirmung dieser Sekundärstrahlung müssen
Materialien großer Ordnungszahl eingesetzt werden, damit die
Gammastrahlung sicher absorbiert wird. Ein klassischer Neutronenschild
besteht also aus drei Schichten. |
| Statt eines relativ teuren mehrschichtigen Neutronenschildes können
auch dickere Betonwände eingesetzt werden. Es wird Spezialbeton
mit bestimmten Zuschlägen verwendet, sodass Neutronenabbremsung,
Neutroneneinfang und Gammaabschirmung sicher gewährleistet sind.
In einem Kernkraftwerk übernimmt ein 2 m dicker Schild aus Spezialbeton
diese Aufgabe. |
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