PUREX-Verfahren


 
Zur chemischen Trennung dieser drei Komponenten setzt man das so genannte PUREX-Verfahren ein (PUREX: Plutonium-Uranium-Recovery by Extraction).

Zunächst werden die Brennstäbe in etwa 5 cm lange Stücke zersägt und ihr Inhalt wird in siedender Salpetersäure (HNO3) herausgelöst. Dabei entstehen Uranylnitrat UO2 (NO3)2 und Plutonium-IV-Nitrat Pu(NO3)4 sowie die Nitrate der Spaltprodukte und Aktiniden.

Durch physikalisch-chemische Verfahren wird dann eine Trennung der drei Komponenten Uran, Plutonium, Spaltprodukte/Aktiniden durchgeführt. Das geschieht mithilfe eines besonderen Extraktionsmittels, des Tri-n-Butyl-Phosphats (C4H9O)3PO, das mit 70 % Kerosin (Reinstpetroleum) verdünnt ist.

Die Abtrennung der Spaltprodukte und Aktiniden, ein erster und wichtiger Schritt des Trennverfahrens, kann vereinfacht folgendermaßen erklärt werden:

Das TBP 30 löst bei Anwesenheit von Salpetersäure die Nitrate des Urans und des Plutoniums (Komplexbildung), während die Spaltprodukte und die anderen Aktiniden im wässerigen Teil der Lösung zurückbleiben. Da sich die wässrige Lösung wieder von dem Extraktionsmittel absetzt, können die Spaltprodukte leicht abgetrennt werden.

Um Uran, Plutonium sowie Spaltprodukte und Aktiniden fast 100-prozentig voneinander zu trennen, wird dieser Extraktionszyklus mehrfach hintereinander durchgeführt. Dabei sind eine Reihe zusätzlicher chemischer Aufarbeitungsschritte notwendig.

Während Uran und Plutonium wieder der Brennelementherstellung zugeführt werden, bewahrt man die hochaktive Lösung mit Spaltprodukten und Aktiniden in gekühlten Edelstahltanks auf. Die konzentrierte Spaltproduktlösung hat eine spezifische Aktivität von etwa 4 · 1013 Bq/l. Die entstehende Zerfallswärme muss deshalb durch Kühlsysteme abgeführt werden. Nach etwa fünfjähriger Abklingzeit kann eine Volumenverminderung und eine Überführung in eine wasserunlösliche Form durch Verglasung vorgenommen werden (Konditionierung für die Endlagerung).

Beim Zerschneiden der Brennelemente und besonders beim Lösen des Brennstoffes in Salpetersäure entweichen gasförmige und leichtflüchtige Spaltprodukte (Xenon, Krypton, Jod, Ruthenium usw.), außerdem werden Stickstoffoxide frei. Sie müssen aus den Abgasen abgetrennt werden.

Die Stickstoffoxide werden in Salpetersäure überführt und in den Prozess zurückgeleitet. Radioaktives Jod lässt sich mithilfe hochwirksamer Filter zurückhalten, die mit Silber imprägniert sind. Es entsteht dann das schwer lösliche Silberjodid.

Für tritiumhaltige Abwässer ist eine gesonderte Sammlung und eine Endlagerung nach Abbinden mit Zement zu Beton vorgesehen.

Da die abgebrannten Brennelemente hochaktiv sind, muss man die Wiederaufarbeitung in Zellen vornehmen, die durch dicke Betonwände abgeschirmt sind (so genannte heiße Zellen, Wandstärke bis 2 m). Die Arbeiten werden mithilfe fernbedienter Werkzeuge (so genannter Telemanipulatoren) durchgeführt; sie können durch ein Strahlenschutzfenster aus dickem Bleiglas beobachtet werden.

Alle Maschinen müssen über lange Zeit wartungsfrei arbeiten, da Reparaturen nur möglich sind, wenn der betreffende Raum vorher gründlich von radioaktiven Substanzen gereinigt worden ist (Dekontamination). Die Betriebsräume der Wiederaufarbeitungsanlage werden mithilfe einer besonderen Anlage ständig be- und entlüftet, damit sich keine gasförmigen und leichtflüchtigen radioaktiven Stoffe ansammeln.

Außerdem wird im Gebäude ein leichter Unterdruck erzeugt, sodass keine ungefilterte Luft in die Umgebung gelangen kann.