Endlagerung in Deutschland


 
Der letzte Schritt der Entsorgung ist die Endlagerung der radioaktiven Abfälle. Ziel ist die langfristige Verwahrung zum Schutze von Mensch und Umwelt vor der Schädigung durch ionisierende Strahlung. Die Belastung, die von einem Endlager herrührt, darf nicht zu Individualdosen führen, die die Werte der Strahlenschutzverordnung überschreiten.

In der internationalen Fachwelt besteht Einigkeit darüber, dass die hochradioaktiven Wärme entwickelnden Abfälle und ferner Abfälle mit einem hohen Gehalt an a-strahlenden Radionukliden nur im tiefen geologischen Untergrund gelagert werden sollen.

Für den Großteil der nicht wärmeentwickelnden Abfälle und den Anteil mittelradioaktiver Abfälle, die überwiegend kurzlebige b- und g-Strahler enthalten, reicht zur Erfüllung des Schutzzieles auch eine Unterbringung in oberflächennahen Lagerstätten. Besonders geeignet sind lehm- und tonhaltige Gesteinsschichten, da sie weitgehend wasserundurchlässig sind und eine gute Aufnahmefähigkeit für die aus den Abfallprodukten eventuell ausgelaugten Radionuklide aufweisen. Gegenüber der vom Abfallgebinde ausgehenden Strahlung selbst reicht eine mehrere Meter dicke Abdeckung aus.

Die Endlagermöglichkeiten sind für einzelne Länder unterschiedlich und richten sich nach den jeweils vorhandenen geologischen Formationen. In der Bundesrepublik Deutschland wurden schon frühzeitig Salzlagerstätten als Endlager für radioaktive Abfälle untersucht.

Salzbergwerk Asse II

Bereits 1965 wurde das stillgelegte Salzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel gekauft, in dem im Rahmen von Versuchs- und Demonstrationsprogrammen von 1967 bis 1978 fast alle damals angefallenen schwach und mittelaktiven Abfälle endgelagert wurden.

Zusätzlich wurden Simulationsversuche mit elektrisch aufgeheizten Abfallbehältern durchgeführt. Die Ergebnisse aus diesen Versuchen zeigten, dass Steinsalzformationen wegen ihrer guten Wärmeleitfähigkeit besonders gut als Endlager für Wärme entwickelnde Abfälle geeignet sind. Sie sollen dabei in Bohrlöcher, die von den Strecken unter Tage in das darunter liegende Salzgestein gebohrt werden, oder bei großen Gebinden wie den POLLUX-Behältern in der Strecke selbst eingelagert werden.

Nach der Befüllung der Lagerbohrlöcher und der Lagerstrecken werden diese versiegelt.

Anschließend werden auch die Zufahrtsstrecken mit Versatzmaterial und Abschlussdämmen verfüllt und verschlossen. Aufgrund der Plastizität des Salzes und des herrschenden Gebirgsdruckes wächst eine verfüllte Strecke schnell zusammen, sodass der ursprüngliche Zustand bald wiederhergestellt ist. Die eingebrachte Wärme beschleunigt diesen Vorgang noch.

Derzeit wird die Schachtanlage Asse vorrangig für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für das geplante Endlager im Salzstock Gorleben genutzt.

Salzstock Gorleben

Seit 1979 wird der Salzstock Gorleben auf seine Eignung für die Endlagerung aller Arten fester radioaktiver Abfälle untersucht, also auch für Wärme entwickelnde Abfälle. Eine endgültige Aussage über seine Eignung wird erst nach der untertägigen Erkundung möglich sein, die nach gegenwärtigem Planungsstand 2003 abgeschlossen sein wird.

Bei einem positiven Erkundungsergebnis muss dann noch ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden.

Schachtanlage Konrad

Als Endlagerstätte von schwach aktiven und nicht wärmeentwickelnden mittelaktiven Abfällen kommen auch andere geologische Formationen infrage. So wurde die Eignung der Schachtanlage Konrad bei Salzgitter nach Stilllegung im Jahre 1976 für die Einlagerung radioaktiver Abfälle untersucht.

Die Grube Konrad ist ein Eisenerzbergwerk, das aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt wurde. Mächtige wasserundurchlässige Tonschichten im Deckgebirge schließen die Grundwasser führenden Schichten ab, was eine geologische Barriere für eine sichere Einlagerung bietet. Die radioaktiven Abfälle werden in Behältern angeliefert, die in Einlagerungskammern gestapelt werden. Die Resthohlräume werden mit Material aus der Kammerherstellung ausgefüllt. Nach Beendigung der Einlagerungstätigkeit werden anschließend die Schächte verfüllt und mit Schachtstopfen versehen.

Die Eignungsuntersuchungen wurden mit positivem Ergebnis abgeschlossen. Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren. Nach Erteilung der Genehmigung kann mit der Einlagerung nach zwei Jahren begonnen werden.

Endlager Morsleben

In der ehemaligen DDR wurde 1970 das Salzbergwerk Bartensleben aus zehn infrage kommenden Salzbergwerken als Endlager für radioaktive Abfälle in Morsleben (ERAM) ausgewählt. Nach der Umrüstung der Schachtanlage sowie Forschungs- und Entwicklungsarbeiten schloss sich 1978 die Phase der Inbetriebnahme mit einem Versuchsbetrieb an.

1981 wurde die erste Genehmigung zum Dauerbetrieb mit einer Gültigkeit von fünf Jahren erteilt, der sich 1986 eine zweite Genehmigung zum Dauerbetrieb anschloss. Als Folge der Vereinigung beider Staaten 1990 ging die Zuständigkeit für den Betrieb des ERAM auf das Bundesministerium für Strahlenschutz über. Bis September 1998 wurde Morsleben als Endlager genutzt.