Schachtanlage Konrad


 
Eisenerzvorkommen waren seit dem 19. Jahrhundert Grundlage der Industrialisierung im Raum Salzgitter. Die Schachtanlage Konrad, zwischen Braunschweig und Salzgitter-Lebenstedt gelegen, ist das jüngste der ehemaligen Bergwerke in diesem Raum und für ein Eisenerzbergwerk außergewöhnlich trocken. Bei der Endlagerung von Schadstoffen im tiefen geologischen Untergrund ist Wasser das Medium, welches Schadstoffe in die Biosphäre zurücktransportieren kann. Die Trockenheit der Grube legte es deshalb nahe, ihre Eignung für die Beseitigung von radioaktiven Abfällen zu untersuchen.

Das Erzlager liegt im Bereich der Schachtanlage zwischen 800 und 1 300 Metern tief. An keiner Stelle erreicht es hier die Erdoberfläche. Die tiefe Lage und die gute Abdichtung gegen oberflächennahes Grundwasser durch Ton und Mergelsteine sind wesentliche Merkmale für die Trockenheit der Grube.

Nach Einstellung der Erzförderung im Jahr 1976 wurde durch verschiedene Untersuchungen die grundsätzliche Eignung der Grube als Endlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung festgestellt. Nach positivem Abschluss dieser Untersuchungen wurde 1982 ein Antrag auf Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens gestellt. Da die eingereichten Unterlagen auf Basis von Probematerial aus Grubenaufschlüssen beruhten und noch nicht vollständig waren, wurde ein Standorterkundungsprogramm zum Sicherheitsnachweis und zur Ergänzung des Plans eingeleitet.

Für die Untersuchung der Barriereeigenschaften des Deckgebirges und möglicher Wasser führender Schichten wurde eine Tiefenbohrung in der Nähe des Schachtes Konrad 2 niedergebracht. Die Bohrung mit der Bezeichnung Konrad 101 lieferte bis zu einer Endteufe bei etwa 1 000 Metern ein geologisches Profil durch das Deckgebirge bis in das Liegende des Erzlagers. Das geforderte Mehrbarrieresystem wird verwirklicht durch das Deckgebirge, das Nebengestein und die Endlagerformation, das Wirtsgestein selbst.

Modellrechnungen zur Grundwasserbewegung haben die Langzeitsicherheit nachgewiesen. Diese wird außerdem durch das hohe Alter der Gebirgsfeuchte, die im Endlagerungsbereich gefunden und untersucht wurde, bestätigt. Die hohe Standfestigkeit des Grubengebäudes gewährleistet darüber hinaus den sicheren Betrieb.

Die bestehenden Hohlräume des Grubengebäudes können allerdings für die Endlagerung nicht genutzt werden, weil die alten Abbaue teilweise verfüllt wurden oder nicht mehr begehbar sind. Die Planung auf der Basis der untertägigen Erkundung hat ergeben, dass sich Einlagerungshohlräume mit einem Gesamtvolumen von etwa 1,1 Millionen m3 neu erstellen lassen. Dieses Hohlraumvolumen reicht aus, um 650 000 m3 radioaktive Abfälle bei einem Betriebszeitraum von mindestens 40 Jahren sicher endzulagern. In dieser Zeit können rund 95 % des Volumens der in der Bundesrepublik Deutschland anfallenden radioaktiven Abfälle endgelagert werden.


Nach dem Planfeststellungsbeschluss kann mit der Auffahrung der Einlagerungskammern begonnen werden. Eine Einlagerungskammer hat einen Querschnitt von 40 m2 bei einer Sohlenbreite von etwa 7 Metern und einer Höhe von etwa 6 Metern. Die Einlagerungskammern sind über eine Kammerzufahrt von etwa 35 Metern Länge von einer Rampe aus erreichbar. Am Übergang zur Einlagerungskammer wird eine Entladekammer aufgefahren. Mehrere Einlagerungskammern bilden ein Einlagerungsfeld. Insgesamt sind 9 Einlagerungsfelder vorgesehen.

Geplanter Einlagerungsablauf

Die einzulagernden Abfälle werden in konditionierter Form in zylindrischen Betonbehältern, zylindrischen Gussbehältern und Containern per Bahn oder LKW angeliefert. Eine Transporteinheit besteht aus einem Container oder einer Tauschplatte mit bis zu zwei zylindrischen Abfallgebinden. Bei Bahnlieferung übernehmen betriebseigene Fahrzeuge die Abfälle am Übergabebahnhof.

LKWs erreichen den Schacht Konrad 2 über eine Trocknungsanlage und fahren in die Umladehalle. Dort werden die Gebinde auf bereitgestellte Plateauwagen umgeladen. Eine Gleisfördereinrichtung transportiert die Plateauwagen einzeln zu einem der Strahlenschutzmessplätze und nach der Freigabe zur Schachtsperre. Von dort gelangt der Plateauwagen mit einer Aufzieh- und Abschiebevorrichtung unter Tage. Mit einem Portalhubwagen werden die Gebinde auf eigens konstruierte Transportwagen umgeladen und zu den Einlagerungskammern gebracht. Hier werden sie im Rückbau - von hinten nach vorne - gestapelt.

Ist die Einlagerungskammer voll, wird sie verschlossen und die restlichen Hohlräume werden mit Beton verfüllt. Eine Rückholung der Abfälle ist nicht geplant. Nach der Betriebsphase werden die Schächte verfüllt und das Bergwerk wird verschlossen.

Über Hunderttausende von Jahren wird so ein sicherer und wartungsfreier Abschluss der Abfälle von der Biosphäre gewährleistet.