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Kernkraftwerk mit Thorium-Hochtemperaturreaktor (THTR-300 bei
Hamm)
Eine weitere Möglichkeit, Kernenergie zur Erzeugung elektrischer
Energie zu nutzen, bietet der Hochtemperaturreaktor. Wie im Namen
ausgedrückt wird, können mit diesem Reaktortyp relativ hohe
Temperaturen erzeugt werden. Während Leichtwasserreaktoren Kühlmitteltemperaturen
bis etwa 330 °C und schnelle Brüter bis 550 °C erreichen,
liegt bei Hochtemperaturreaktoren die Kühlmitteltemperatur bei
750 °C und darüber. Es kann dann nicht nur Dampf zum Antrieb
von Turbinen, sondern auch Prozesswärme (z. B. zur Kohlevergasung)
erzeugt werden. |
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In der Nähe von Hamm (Westfalen) ist von 1985 bis 1989 ein
Hochtemperaturreaktor betrieben worden, um technische Erfahrungen
mit dieser Technologie zu gewinnen. Aus wirtschaftlichen Gründen
wird die Reaktorlinie jedoch in Deutschland zurzeit nicht weiterverfolgt.
Da sie aber eine technisch sehr interessante Lösung darstellt,
wird das Demonstrationskraftwerk von Hamm hier beschrieben. |
| Die Brennelemente in dem bei Hamm-Üntrop errichteten
Hochtemperaturreaktor THTR-300 waren Graphitkugeln mit einem
Durchmesser von 6 cm. Sie enthielten als Spaltstoff etwa 1 g Uran-235
und als Brutstoff etwa 10 g Thorium-232 in Form beschichteter Teilchen
von 0,5 bis 0,7 mm Durchmesser. Etwa 35 000 solcher umhüllten
Teilchen waren in einer Kugel untergebracht. |
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Das Uran-235 lässt sich durch langsame Neutronen spalten.
Aus dem Thorium-232 wird Uran-233 erbrütet, das ebenfalls durch
langsame Neutronen spaltbar ist. Während des Betriebes erzeugte
sich der Thorium-Hochtemperaturreaktor also einen Teil des Spaltstoffs
selbst. Bei diesem Reaktortyp wurde Graphit als Moderator verwendet.
Da Spalt- und Brutstoff sowie Moderator miteinander gemischt waren,
handelte es sich also um einen homogenen Reaktor.
Rund 675 000 kugelförmige Betriebselemente waren in dem Reaktor
untergebracht. Diese Erstbeladung bestand aus ca. 360 000 Brennelementkugeln,
ca. 280 000 Graphitkugeln (zusätzlicher Moderator) und ca. 35
000 bordhaltigen Kugeln (Absorber). |
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Die Brennelementkugeln befanden sich in einem Behälter
aus Graphitblöcken mit einem Durchmesser von 5,6 m und einer
Höhe von 6 m. Er stützte den Kugelhaufen ab und diente gleichzeitig
als Neutronenreflektor. Um die bei den Kernprozessen auftretende Gammastrahlung
abzuschirmen, war der Graphitbehälter von einem eisernen Schild
umgeben. |
| Die im Reaktor erzeugte Wärme wird durch das Edelgas Helium
nach außen geführt (Heliumkühlkreis). Es strömt
von oben mit einer Temperatur von 250 °C in den Reaktor und verlässt
ihn unten mit einer Temperatur von 750 °C. In 6 Dampferzeugern
gibt das Helium seine Wärme an einen Wasser-Dampf-Kreislauf ab.
Zur Steuerung und Abschaltung des Reaktors können 42 Regelstäbe
von oben in den Kugelhaufen eingefahren werden. |
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Die Hauptkomponenten (Kugelhaufen, Neutronenreflektor, Schild aus
Eisen, Dampferzeuger, Kühlmittelgebläse sowie Einrichtungen
zur Reaktorsteuerung und Reaktorabschaltung) sind in einem berstsicheren
Spannbetonbehälter mit einer Wandstärke von 4,5 bis 5 m
untergebracht. Er hält dem Innendruck von etwa 40 bar (4 MPa)
stand und dient gleichzeitig zur Abschirmung der Neutronen- und Gammastrahlung.
Im Reaktordruckbehälter befindet sich auch die Beschickungsanlage.
Sie ermöglicht eine fortlaufende Entnahme und Zugabe der kugelförmigen
Brennelemente. Bei Volllast werden an einem Tag 3 700 Kugeln umgesetzt
und etwa 620 abgebrannte Brennelemente durch neue ersetzt. Die Brennelemente
sollten im Mittel ungefähr drei Jahre im Reaktor bleiben und
ihn in dieser Zeit rund 6-mal durchlaufen.
Mit dem in den Wärmetauschern erzeugten Dampf wird eine Turbine
angetrieben, die mit einem Generator gekoppelt ist. Zur Kondensatorkühlung
wird bei dem Thorium-Hochtemperaturreaktor ein Kühlkreislauf
mit einem so genannten Naturzug-Trockenkühlturm verwendet. Die
durch den Turm emporsteigende Luft führt die Wärme des Kondensatorkühlkreises
ab. Die Wärme wurde also nicht, wie in den Beispielen vorher,
an einen Fluss, sondern an die Luft abgegeben.
Der Thorium-Hochtemperaturreaktor zeichnet sich durch besondere Sicherheit
aus. Das als Kühlmittel verwendete Helium wird durch Neutronenbestrahlung
praktisch nicht aktiviert. Außerdem verhält es sich auch
bei hohen Temperaturen chemisch neutral. Da Helium ein Gas ist, spielte
auch der Dampfblasenkoeffizient keine Rolle. Der in den Brennelementkugeln
eingesetzte Graphit mit einer Schmelztemperatur von 3 650 °C kann
bei den im Reaktor auftretenden Temperaturen nicht schmelzen. |
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