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Im Siede- und Druckwasserreaktor kann von den in der Natur vorhandenen
Uranisotopen nur das Uran-235 gespalten werden. Es ist im natürlichen
Uran mit 0,7 % enthalten und in den Brennelementen auf bis zu 3,4
% angereichert. Das Uran-238 ist in diesen Reaktortypen als Spaltstoff
nicht zu verwenden.
Der Kern eines Atoms Uran-238 kann aber ein Neutron aufnehmen und
sich anschließend in mehreren Stufen zu Plutonium-239 umwandeln.
Dies wird am effektivsten durch schnelle Neutronen gespalten und ist
deshalb als Spaltstoff geeignet.
In schnellen Brutreaktoren werden beide Vorgänge gezielt herbeigeführt.
- Es findet Kernspaltung statt, wodurch Energie freigesetzt wird.
- Ein Teil des Uran-238 wird in spaltbares Plutonium-239 umgewandelt
(Brutvorgang).
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Das größte Kernkraftwerk mit schnellem Brutreaktor
(Creys-Malville/Frankreich) ist seit 1986 in Betrieb. Es trägt
den Namen Superphenix I und ist ein Gemeinschaftsprojekt von
Frankreich und fünf weiteren europäischen Staaten (darunter
auch der BRD). |
Die im Folgenden gemachten Angaben beziehen sich auf das französische
Kraftwerk Superphenix I.
Sein Reaktorkern besteht aus zwei Zonen. Im Innern befinden sich Brennstäbe
mit einer Mischung von UO2 und PuO2 (Spaltstoffanreicherung
15 %). In dieser Zone kommt es vorwiegend zu Kernspaltungen. In einem
Mantel aus UO2 (abgereichertes Uran), der den inneren Bereich
umgibt, wird Uran-238 in Plutonium umgewandelt. |
| Bei Brutreaktoren ist eine hohe Konzentration an spaltbarem
Plutonium notwendig, weil schnelle Neutronen verwendet werden. Sie
führen mit geringerer Wahrscheinlichkeit zu Kernspaltungen als
langsame. Der Reaktorkern ist deshalb kompakter gebaut und besitzt
eine Spaltstoffkonzentration, die deutlich höher liegt als bei
den Leichtwasserreaktoren. |
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In Brutreaktoren kann der Prozess so gesteuert werden, dass aus
Uran-238 mehr spaltbares Plutonium-239 erzeugt wird, als durch Kernspaltungen
verbraucht wird. Da sowohl bei der Kernspaltung als auch bei der Erbrütung
von Plutonium schnelle Neutronen eingesetzt werden, nennt man diesen
Reaktortyp "schneller Brüter" oder "schneller
Brutreaktor". |
In dem französischen Brutreaktor Phenix (Vorläufer von
Superphenix I) konnte nachgewiesen werden, dass auf 100 Plutoniumkerne,
die gespalten werden, 115 Plutoniumkerne neu erbrütet werden.
Es entsteht also ein Überschuss an spaltbarem Material, das in
anderen Leichtwasserreaktoren oder Brutreaktoren als Spaltstoff eingesetzt
werden kann. Da aber bei der Aufbereitung der Spalt- und Brutstoffe
Verluste entstehen, kann durch den Einsatz von 100 g Plutonium letztlich
nicht 115 g Plutonium gewonnen werden. Nach dem heutigen Stand der
Technik ist es aber möglich, das Natururan etwa 60-mal besser
auszunutzen als in den Leichtwasserreaktoren.
Da Brutreaktoren nur mit schnellen Neutronen betrieben werden, darf
kein Moderator vorhanden sein. Als Kühlmittel kommt deshalb auch
kein Wasser infrage. Es würde die Neutronen zu schnell auf geringe
Geschwindigkeiten abbremsen (moderieren). Außerdem könnte
Wasser die große Menge an Wärmeenergie, die aufgrund der
hohen Spaltstoffkonzentration erzeugt wird, nicht schnell genug abführen.
Als Kühlmittel wird deshalb flüssiges Natrium verwendet.
Sein Schmelzpunkt liegt bei 98 °C, sein Siedepunkt bei 883 °C.
Mit einer Temperatur von 395 °C tritt es von unten in den Reaktorkern
ein und verlässt ihn wieder mit 545 °C. Da das Natrium dabei
nicht siedet, ist auch der entstehende Druck relativ niedrig. Im Primärkreislauf
liegt er bei etwa 10 bar (1 MPa).
In einem Zwischenwärmetauscher gibt das flüssige Natrium
des Primärkreislaufs seine Wärme an das Natrium eines Sekundärkreislaufs
ab. Ein weiterer Wärmetauscher bildet den Dampferzeuger. In ihm
erzeugt das flüssige Natrium des Sekundärkreislaufs Wasserdampf
von 487 °C (bei 177 bar), der dann einer Dampfturbine zugeführt
wird. Erst in dem tertiären Kreislauf, der ein Wasser-Dampf-Kreislauf
ist, entstehen durch das Verdampfen des Wassers hohe Drücke.
Die Verwendung von drei Kreisläufen ist aus sicherheitstechnischen
Gründen notwendig.
- Das Natrium, das im Reaktor strömt, wird durch die freien
Neutronen radioaktiv. Es entsteht radioaktives Na-24, das unter
Aussenden eines Betateilchens zu Magnesium zerfällt. Um das
radioaktive Natrium in der Sicherheitszone des Reaktorgebäudes
zu halten, wird die Wärme über einen sekundären
Natriumkreislauf dem Wasser-Dampf-Kreislauf zugeführt. Das
Natrium in dem sekundären Kreislauf ist nicht mehr radioaktiv.
- Ein zweiter Natriumkühlkreislauf soll verhindern, dass
bei Störfällen das radioaktive Natrium des Primärkreislaufs
mit dem Wasser-Dampf-Kreislauf in Berührung kommt, da Natrium
mit Wasser chemisch reagiert.
Zur Steuerung der Reaktorleistung werden Steuerstäbe von oben
in den Reaktor eingefahren. Sie bestehen z. B. aus Tetraborcarbid
(B4C) und besitzen ein hohes Absorptionsvermögen für
Neutronen. |
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