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| Die Fusionsforschung begann mit dem Wunsch, die Energiequelle Sonne
zu verstehen. In den späten 20er-Jahren kamen Atkinson
und Houtermans zu der Überzeugung, die Energie der Sonne
stamme von Fusionsreaktionen. 1932 entdeckten Rutherford, Walton
und Cockroft die erste Fusionsreaktion im Labor. Durch Einfang
eines Protons in einem Lithiumkern teilte sich dieser in zwei Heliumkerne
und setzte Energie frei. |
| In den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion hatte die Fusionsforschung
ihre Wurzeln in der militärischen Atomforschung während
und nach dem Zweiten Weltkrieg. Obwohl es zunächst unmöglich
schien, ein System zu entwickeln, das insgesamt mehr Energie freisetzt,
als es verbraucht, haben sich dann bald Kenntnisse aus der Astro-,
Plasma- und Kernphysik in einem Ausmaß entwickelt, dass man
es angehen konnte, die Kernfusion als Energiequelle nutzbar zu machen. |
| 1951 fanden die sowjetischen Physiker Andreij Sakharov und
Igor Tamm eine Möglichkeit, Plasma magnetisch einzuschließen,
und entwickelten den später so genannten Tokamak. Die gesamte
Fusionsforschung fand bis zur zweiten Konferenz "Atoms for Peace"
in Genf 1958 unter Geheimhaltung statt. In den 60er-Jahren wurde verstärkt
Grundlagenforschung betrieben. In den 70er-Jahren entwickelte sich
die Fusionsforschung zur Großforschung und die internationale
Zusammenarbeit nahm zu. |
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1978 begann das Europäische Fusionsprogramm mit dem Bau des
"Joint European Torus", kurz JET, in Culham
in Großbritannien. Dieser erzeugte 1983 sein erstes Plasma.
1991 wurde erstmals nennenswerte Fusionsenergie freigesetzt.
In den USA erzeugte der Tokamak 1978 Temperaturen von mehr
als 60 Millionen Grad. 1993 wurden erfolgreiche Tritiumexperimente
unternommen. In Japan laufen seit 1988 Experimente mit dem Tokamak.
Im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching bei
München ging 1990 das Experiment ASDEX Upgrade in Betrieb,
nachdem der Vorgänger ASDEX nach zehnjähriger überaus
erfolgreicher Tätigkeit stillgelegt wurde. Ziel dieses Experiments
war, sauberes Plasma zu erzeugen. |
Kernumwandlungen
Manche Atomkernarten haben die Eigenschaft, von selbst mit einer
bestimmten Halbwertszeit zu zerfallen, man nennt sie radioaktiv. Dabei
wird Energie in Form von Strahlung ausgesandt. Je nachdem, welche
Elementarteilchen bzw. Energiequanten dabei abgestrahlt werden, spricht
man von Alpha-, Beta-, Gammastrahlen oder Positronen-, Protonen- und
Neutronenstrahlen. |
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Bei der Kernspaltung in einem Kernreaktor nützt man
die dabei frei werdende Wärme zur Energiegewinnung. Dabei werden
in einer kontrollierten Kettenreaktion Uran-235-Kerne von langsamen
Neutronen in jeweils zwei Kerne mittlerer Masse und zwei bis drei
Neutronen gespalten. |
Um die Atome eines Stoffes zusammenzuhalten, sind so genannte Bindungskräfte
notwendig. Die Größe dieser Kräfte ist von der Kernladungszahl
abhängig. Sie ist für sehr leichte Elemente sehr groß
und nimmt zu Elementen bis zu Eisen mit der Kernladungszahl 28 ab,
um dann wieder leicht zuzunehmen.
Bei der Kernspaltung kommt die frei werdende Energie dadurch zustande,
dass die Bindungsenergie des ungespaltenen schweren Urankerns etwas
größer ist als die Summe der Bindungsenergien der beiden
leichteren Spaltkerne. |
| Umgekehrt wird bei der Kernfusion, das heißt bei der
Verschmelzung zweier leichter Kerne zu einem schwereren Kern, ebenfalls
Bindungsenergie frei. Vereinigen sich z. B. Deuterium und Tritium
zu dem schwereren Helium, wird Bindungsenergie in einem viel stärkeren
Ausmaß als bei der Kernspaltung frei. |
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| Die Grundlage der Kernfusion ist der Massendefekt. Bildet man aus
zwei Protonen und zwei Neutronen einen Heliumkern, so ist die Gesamtmasse
des Kerns kleiner als die Summe der Einzelmassen der Protonen und
Neutronen. Die Differenz der Masse wird als Energie abgestrahlt und
wird durch die einsteinsche Gleichung E = mc2 beschrieben.
Diese Gleichung drückt die Äquivalenz zwischen Masse und
Energie aus. |
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In der Sonne finden die Fusionsprozesse bei Temperaturen
von 15 Millionen Grad statt. Bei solchen Temperaturen existiert der
Plasmazustand. Wenn man einen Eisblock erhitzt, der den Zustand des
Festkörpers darstellt, schmilzt das Eis und es wird flüssig.
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| Bei weiterer Erhitzung verdampft dieses Wasser und wird zu Gas.
Bei weiterer Erhitzung trennt es sich in Wasserstoff und Sauerstoff.
Bei noch höheren Temperaturen spaltet sich das Wasserstoffatom
in Protonen und Neutronen, man nennt das Plasma, den vierten Aggregatzustand. |
Kontrollierte Kernfusion
Um eine Kernfusion zu erhalten, muss man die abstoßenden
elektrostatischen Kräfte zwischen den positiv geladenen Atomkernen
überwinden. Wenn man die Kerne mit großer Energie gegeneinander
schießen würde, wäre die Wahrscheinlichkeit einer
Fusion sehr gering und diese Methode eher unwirtschaftlich. Eine Möglichkeit,
diese Schwierigkeit zu umgehen, ist es, diese Fusion in einem Plasma
durchzuführen. |
| Gegenwärtig konzentriert sich das Interesse auf
Fusionsreaktionen zwischen den zwei schweren Formen von Wasserstoff:
Deuterium und Tritium. Deuterium ist in großen
Mengen im Meerwasser enthalten, etwa 30 g/m3. Tritium,
ein instabiles radioaktives Gas mit einer Halbwertszeit von rund 12
Jahren, kommt jedoch kaum in der Natur vor und muss durch Neutronenbeschuss
aus Lithium künstlich hergestellt werden. |
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| Für die erste Reaktorengeneration wurde die Fusion
von Deuterium und Tritium vorgesehen. Reaktionen mit reinem Deuterium
setzen eine Temperatur von 350 Millionen Grad voraus. Sie werden in
höher entwickelten Reaktoren versucht werden. Reaktionen, die
Helium-3 verwenden, wären äußerst interessant, weil
sie keine Neutronen freisetzen, allerdings kommt Helium-3 auf der
Erde selten vor und ist in großen Mengen nur auf dem Mond vorhanden. |
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| Die Rohstoffe für die Brennstoffe Deuterium und Lithium sind
nicht radioaktiv, billig, in großen Mengen vorhanden und geographisch
gleichmäßig verteilt. |
Plasmaeinschluss
Während auf der Sonne die zur Fusion notwendigen hohen Temperaturen
und der hohe Druck durch das Gravitationsfeld erzeugt werden und dadurch
die Materie als Plasma vorliegt, müssen für zukünftige
Fusionsreaktoren diese Bedingungen erst geschaffen werden. Um den
Plasmazustand zu erzeugen und ihn dann weiter aufrechtzuerhalten,
muss Materie in einer geeigneten Vorrichtung eingeschlossen werden.
Dies lässt sich mit zwei unterschiedlichen Methoden erreichen:
entweder durch magnetischen Einschluss oder durch Trägheitseinschluss. |
Magnetischer Einschluss
In einem Plasma bewegen sich die Kernbausteine Protonen und Neutronen
unkontrolliert in alle Richtungen und möchten sich wie Gase ausdehnen.
Plasmen können durch magnetische Felder eingeschlossen werden,
man spricht auch von magnetischen Flaschen. Wenn man ein magnetisches
Feld um das Plasma anlegt, bewegen sich elektrisch geladene Teilchen
spiralförmig entlang der magnetischen Feldlinien. Das Plasma
ist senkrecht zu den Feldlinien gebunden, parallel zu ihnen ist es
jedoch frei beweglich. |
| Ist dieses Feld zylinderförmig, würden die
Teilchen an den Enden des Zylinders entweichen. Um einen völligen
Einschluss zu erreichen, gibt es zwei unterschiedliche magnetische
Konfigurationen. |
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| Bei linearen Anlagen erhöht man die Feldstärke an den
Enden des Zylinders, wodurch einige Teilchen an den Enden dieser magnetischen
Flasche wie durch einen Spiegel reflektiert werden. Da diese Reflexion
jedoch nicht vollständig gelingt, gehen einige Teilchen nach
außen hin verloren. Solche "Spiegelmaschinen" werden
deshalb für Kraftwerke nicht in Betracht gezogen. |
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| Bei ringförmigen Anlagen wird das Magnetfeld zu einem Ring
oder Torus geformt. Die durch Spulen außerhalb der Kammer erzeugten
Feldlinien sind dabei in sich selbst geschlossen. Die Teilchen bewegen
sich spiralförmig entlang dieser toroidalen Feldlinien. Dadurch
erfolgt aber immer noch kein totaler Einschluss. |
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| Die Teilchen wandern langsam nach außen und entsprechend ihrer
elektrischen Ladung entweder nach oben oder unten zu den Wänden. |
Es wird deshalb ein zweites Feld, das Poloidalfeld, senkrecht zum
ersten überlagert. Die resultierenden Feldlinien umgeben das
Plasma nun korkenzieherartig, die Teilchen sind in diesem magnetischen
Feld fest eingeschlossen.
Es gibt im Wesentlichen zwei Arten von ringförmigen Einschlusssystemen,
die sich in der Art der Verdrillung der Magnetfeldlinien unterscheiden.
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Beim Tokamak reduziert man die Abwanderung der Teilchen, indem man
mit einem Transformator einen Strom im Plasma induziert. Dieser Strom
erzeugt ein weiteres Magnetfeld, das sich den ringförmigen Feldlinien
im Torus überlagert. Die Teilchen folgen dann einer daraus resultierenden
schraubenförmigen oder helikalen Bahn. |
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Stellaratoren erzeugen die verschraubten Feldlinien ausschließlich
durch äußere Magnetspulen, die selbst schraubenförmig
geformt sind. Es wird kein Plasmastrom benötigt. |
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Bei der Fusion mit dem Trägheitseinschluss werden Laser- oder
Teilchenstrahlen auf eine kleine Kapsel, das so genannte Pellet, von
nur einigen Millimetern Durchmesser gerichtet, die eine kleine Menge
von Deuterium und Tritium enthält. Durch Aufheizen der Kapseloberfläche
bildet sich Plasma, das sich ausdehnt. Eine nach innen gerichtete
Druckwelle presst den Brennstoff zusammen und heizt ihn dadurch auf.
Das Zentrum der Brennstoffkapsel wird auf das 1 000fache komprimiert.
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Die Fusion zündet bei einer Temperatur von 100
Millionen Grad. Die Fusion breitet sich schnell über den komprimierten
Brennstoff aus und erzeugt ein Vielfaches der Energie, die zum Zünden
aufgewandt werden musste. Da die Reaktion innerhalb von Sekundenbruchteilen
stattfindet, wird der Brennstoff durch seine eigene Trägheit
am "Auseinanderfliegen" gehindert.
Es gibt zwei verschiedene Bestrahlungsmethoden.
Bei der direkten Methode treffen mehrere Laser- oder Ionenstrahlen
direkt und möglichst symmetrisch auf die Kapsel.
Bei der indirekten Bestrahlung ist die Kapsel von einer Metallhülle
umgeben. An der Innenwand der Hülle wird die ursprüngliche
Strahlung in Wärmestrahlung umgewandelt, die von der Brennstoffkapsel
absorbiert wird. Damit ist eine gleichmäßigere Bestrahlung
gegeben, was eine symmetrische Implosion der Kapsel bewirkt. |
Formgebung und Kontrolle des Plasmas
Die Form des Plasmaquerschnitts und seine Position innerhalb der
Fusionsanlage sind sehr wesentlich. Durch so genannte Positionierungsspulen
kann die Form des Plasmaquerschnitts positioniert und verändert
werden. Die Qualität des Plasmas wird auch durch verschiedene
Verunreinigungen beeinträchtigt. Daher gilt speziell diesem Bereich
großes Interesse der Plasmaforschung.
Aus den Wandelementen der Brennkammer treten verschiedene Stoffe aus.
Um das Plasma möglichst rein zu halten, werden diese Wandelemente
speziell beschichtet und die austretenden Verunreinigungen in eine
eigene Divertorzone abgelenkt, aus der sie dann abgesaugt werden können.
Die Versorgung des Plasmas mit Brennstoff erfolgt durch Brennstoff-Gaszufuhr,
Einschuss von Brennstoffatomen mit hoher Geschwindigkeit oder von
gefrorenen Brennstoffkügelchen.
Plasmaheizung
Der durch Transformatoren erzeugte Plasmastrom dient gleichzeitig
zur Plasmaheizung. Um Temperaturen von über 10 Millionen Grad
zu erreichen, sind zusätzliche Heizungsmethoden erforderlich.
Die beiden wichtigsten Methoden sind die Neutralteilchenheizung und
die Hochfrequenzwellenheizung.
Neutralteilchenheizung
Ein Ionenstrahl wird außerhalb der Fusionsanlage neutralisiert,
um durch das Magnetfeld in das Plasma eindringen zu können. Im
Plasma werden die energiereichen neutralen Atome wieder ionisiert
und im Magnetfeld gefangen. Durch Stöße mit den Kernteilchen
im Plasma steigt die Plasmatemperatur.
Hochfrequenzwellenheizung
Diese Art der Heizung funktioniert ähnlich wie ein Mikrowellenherd.
Von einem Sender außerhalb der Fusionsanlage werden Hochfrequenzwellen
in das Plasma eingestrahlt. Die Plasmateilchen nehmen die eingestrahlte
Energie auf und erwärmen sich. |
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