Stellarator Wendelstein (Max-Planck-Institut Garching, Deutschland)


 
Fusionsexperimente vom Typ Stellarator haben sich in den letzten Jahren als aussichtsreiche Alternative zu Tokamaks entwickelt. Stellaratoren schließen das Plasma durch Magnetfelder ein, die allein durch Spulen außerhalb des Plasmabereichs erzeugt werden. Ein Nettolängsstrom im Plasma - wie im Tokamak - ist also nicht nötig.

Wichtigste Folgen hieraus sind: Stellaratoren eignen sich für den Dauerbetrieb, die unerwünschten Abbrüche des Plasmastromes treten nicht auf. Als weltweit einziges Institut betreibt das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching mit den Tokamaks der ASDEX- und den Stellaratoren der WENDELSTEIN-Serie beide Linien parallel zueinander und hat damit die Möglichkeit des direkten Vergleichs.

Einer der Gründe für den historischen Vorsprung der Tokamaks waren die mäßigen Reaktoreigenschaften des früheren "klassischen" Stellarators. Mit seinem unzureichend einschließenden Magnetfeldkäfig, der überdies von ineinander verketteten, d. h. schwer demontierbaren Spulensystemen erzeugt wurde, hatte er als Fusionsreaktor wenig Aussichten. Zur verbesserten Umsetzung des Stellaratorprinzips beschritt die Stellarator-Forschung im IPP daher gänzlich neue Wege: In strikter Ausrichtung auf die Reaktorerfordernisse löste man sich erstens von dem alten Spulenkonzept der helikalen Windungen und begann zweitens mit der systematischen Suche nach der optimalen Magnetfeldstruktur eines Stellarators. Der dafür notwendige große Theorie- und Rechenaufwand konnte erst durch die modernen schnellen Computer bewältigt werden. In mehr als zehnjähriger Arbeit beschrieb und untersuchte die Gruppe "Stellarator-Theorie" des IPP den weiten Raum theoretisch möglicher Stellarator-Konfigurationen. Die Anforderungen an Reaktoreigenschaften wurden schrittweise eingebaut und so die bezüglich Plasmagleichgewicht, Stabilität und Einschlussvermögen optimale Konfiguration entwickelt - der "Advanced Stellarator". In dieser optimierten Form können Stellaratoren als echte Alternative zu einem Tokamak-Kraftwerk gelten.

Das Experiment WENDELSTEIN 7-AS, die erste Anlage dieser neuen Stellarator-Generation, ging 1988 in Betrieb und unterwirft die theoretischen Überlegungen einem ersten praktischen Test. Gleichzeitig ist ein modulares Spulenkonzept verwirklicht, das auch technologisch kraftwerksrelevant ist.

Der weiterentwickelte Nachfolger WENDELSTEIN 7-X soll die Kraftwerkstauglichkeit der neuen Stellaratoren demonstrieren.