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Das Experiment JET kann wichtige physikalische Erfordernisse für
ein Fusionskraftwerk prüfen. Vor dem Bau eines Demonstrationsreaktors
muss jedoch der Nachweis erbracht werden, dass ein für längere
Zeit brennendes Plasma physikalisch und technisch realisierbar ist.
Außerdem müssen eine große Zahl technischer Kraftwerkskomponenten
weiterentwickelt und erprobt werden. Hierzu gehören supraleitende
Magnetspulen, die Tritium-Technologie, das Abführen der erzeugten
Wärmeenergie, die Entwicklung fernbedient auswechselbarer Komponenten
sowie die Erforschung der Sicherheits- und Umweltfragen der Fusion.
Diese Aufgaben waren im Europäischen Fusionsprogramm zunächst
dem auf JET folgenden "Nächsten Europäischen Torus"
(NET) zugewiesen. Parallel dazu beteiligt sich Europa seit 1988
an der weltweiten ITER-Zusammenarbeit (Internationaler Thermonuklearer
Experimental-Reaktor). Die Dimensionen beider Anlagen werden die
von JET noch einmal deutlich übersteigen, vor allem wegen der
zusätzlich nötigen technischen Komponenten wie Blanket und
radiologischer Abschirmung. Ein zukünftiges Fusionskraftwerk
wird jedoch voraussichtlich kleiner sein als der konservativ ausgelegte
ITER, der für ein breites Experimentprogramm geplant wird.
Die europäische NET-Zusammenarbeit begann 1983, als hierzu eine
europäische Studiengruppe mit Sitz im Max-Planck-Institut
für Plasmaphysik (IPP) in Garching gebildet wurde. Die Aufgaben
des NET-Experimentes auf dem Weg zu einem Fusionskraftwerk werden
aber inzwischen - in weltweiter Zusammenarbeit - von ITER übernommen.
Hiervon verspricht man sich eine engere Bündelung der technologischen
Erfahrung in den beteiligten Ländern sowie eine Reduktion der
von den einzelnen Partnern zu tragenden Kosten. Dennoch soll, um das
europäische Fusionsprogramm nicht zu gefährden, bis zu einem
verbindlichen Baubeschluss für ITER auch das NET-Projekt als
Rückfalloption beibehalten werden. Ebenso wie NET soll auch ITER
demonstrieren, dass es physikalisch und technisch möglich ist,
durch Kernverschmelzung Energie zu gewinnen, und damit ein späteres
Demonstrationskraftwerk vorbereiten.
Das ITER-Projekt wurde 1985 in Gesprächen des sowjetischen
Generalsekretärs Gorbatschow mit den Präsidenten Frankreichs
und der USA, Mitterand und Reagan, eingeleitet. Im Frühjahr 1988
begannen dann am IPP als Gastlabor die Planungsarbeiten.
Im Dezember 1990 legte die amerikanisch-europäisch-japanisch-russische
ITER-Studiengruppe den Entwurf des Testreaktors vor. Der europäische
Beitrag zu ITER wurde in der Entwurfsphase im Wesentlichen durch die
NET-Studiengruppe getragen.
Während der 1992 angelaufenen etwa sechsjährigen detaillierten
Planungsphase arbeitete ein gemeinsames, international besetztes Team
von rund 210 ITER-Mitarbeitern an drei Fusionszentren: in San Diego/USA,
an dem japanischen Fusionslabor in Naka sowie wiederum am IPP in Garching.
Dabei ist jedes dieser Zentren für besondere Planungsarbeiten
verantwortlich: Garching für physikalische Fragen und die Komponenten
im Plasmagefäß (Abschirmung und Blanket, erste Wand und
Divertor), Naka für die Komponenten außerhalb des Plasmagefäßes
(supraleitende Magnete und Abstützung) sowie San Diego für
Sicherheitsuntersuchungen und Koordination. Sitz des Aufsichtsgremiums
des ITER-Rates ist Moskau.
Unterstützt wird das zentrale ITER-Team durch Gruppen in den
jeweiligen Heimatlaboratorien der vier Partner, die auch die nötigen
Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für ITER übernehmen.
Das NET-Team in Garching fungiert dabei als das europäische ITER-Home-Team.
Am Ende der Planungsphase soll entschieden werden, ob die vier Partner
den Experimentalreaktor gemeinsam bauen und betreiben wollen oder
ob sie die Planungen in den jeweils eigenen Fusionsprogrammen nutzen
werden. |
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