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| In letzter Zeit laufen zahlreiche Versuche, aus stärkehaltigen
Pflanzen wie Energiegetreide sowie aus Zuckerrüben flüssige
und gasförmige Treibstoffe zu erzeugen. |
| Durch das Pressen ölhaltiger Pflanzen wie Raps
ist die Erzeugung flüssiger Treibstoffe ebenfalls möglich.
In der Regel werden technisch anspruchsvolle biologische und chemische
Verfahrensschritte benötigt, um Kraftstoffe aus Biomasse bereitzustellen,
die mit geringem Anpassungsaufwand in konventionellen Verbrennungsmotoren
genutzt werden können. |
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| Erfolgt die Bereitstellung von flüssigen Brennstoffen
aus der Verarbeitung von kohlehydrat- und zellulosehaltigen Pflanzen,
spricht man von Biosprit. Werden ölhaltige Pflanzen verarbeitet,
spricht man von Biodiesel. Andere Verfahren ermöglichen die Herstellung
von Holzkohle, Pyrolyseöl, brennbaren Gasen und Alkohol aus Biomasse. |
| Biosprit (zucker-, stärke und zellulosehaltige
Pflanzen) |
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Biosprit oder Bioalkohol, genauer Bioethanol, wird durch Vergärung
von Pflanzensubstraten mithilfe von Hefe, Bakterien oder Pilzen gewonnen.
In unseren Breiten bieten sich Zuckerrüben, Hirse, Getreide und
Kartoffeln dafür an. |
| Im Anschluss an den Vergärungsprozess werden durch Destillation
Wasser und hochwertiger Bioalkohol getrennt. Zusätzlich kann
das bei der Vergärung entstehende Biogas energetisch genutzt
werden. In großem Maßstab wird Biosprit insbesondere im
zuckerrohrreichen Brasilien als Treibstoff eingesetzt. 1998 liefen
dort 5 Millionen Autos mit Ethanol. Aus einem Zuckerrohrfeld von einem
Hektar lassen sich 7600 Liter Ethanol erzeugen. In Europa sind allerdings
Kostenüberlegungen bei der Herstellung sowie ökologische
Gesichtspunkte Hemmnisse für eine breite Nutzung. Pro Liter Ethanol
fallen 13 Liter Schlempe, ein außerordentlich stark belastetes
Abwasser, an. |
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Die Erzeugung von Ethanol aus Stroh basiert auf einem österreichischen
Verfahren. Stroh wird zur Vorbehandlung enzymatisch hydrolysiert.
Die dabei entstehenden Zucker werden im anschließenden Fermentationsprozess
zu Ethanol umgewandelt. |
| Die Konkurrenzfähigkeit der Anlage ist bei den niedrigen Energiepreisen
nur bei kostenlosem Strohbezug möglich. |
Biodiesel (ölhaltige Pflanzen)
Pflanzenöle, die aus Sonnenblumen und Raps gewonnen werden,
lassen sich nach Umesterung zu Methylester ebenfalls als Treibstoff
einsetzen. Das Endprodukt wird wegen seiner Ähnlichkeit mit Diesel
als Biodiesel bezeichnet.
Die Ölsaat wird nach einer mechanischen und thermischen Aufbereitung
gepresst. Das entstehende Pressöl wird unter Druck filtriert.
Es entsteht das Rohöl. Durch chemische Extraktion des Kuchens
kann das Öl-Hexan-Gemisch, das so genannte Miscella, vom Extraktionsschrot
getrennt werden. Anschließend wird das Rohöl aus dem Miscella
abdestilliert. Bei der großtechnischen Ölgewinnung sind
weitere Verfahrensschritte, z. B. um eine längere Haltbarkeit
zu garantieren, notwendig. |
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| Zur Nutzung des so gewonnenen Rohöls in konventionellen Dieselmotoren
ist ein chemischer Verfahrensschritt, die so genannte "Umesterung",
nötig. Der nach der Umesterung entstehende Pflanzenölester,
z. B. Rapsmethylester (RME), ist hinsichtlich einiger Kraftstoffeigenschaften
(Viskosität, Zündwilligkeit) dem Dieselkraftstoff sehr ähnlich.
Er eignet sich daher auch für konventionelle Dieselmotoren. Der
Extraktionsschrot ist ein wertvolles Futtermittel. Er kann aber auch
thermisch verwertet werden. |
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Zur Erzeugung von 1 kg Biodiesel werden 3 kg Raps benötigt.
Als Nebenprodukt fällt 1,9 kg Rapskuchenschrot und 0,1 kg Glycerin
an. Die genauen Produktionsmengen hängen vom Anlagentyp und vom
Produktionsverfahren ab.
Pro Hektar Anbaufläche lassen sich rund 1000 l Biodiesel gewinnen.
Die Energie- und Umweltbilanz von Biodiesel ist allerdings umstritten.
Außerdem stehen höhere Produktionskosten einem breiteren
Einsatz entgegen. |
Das bei der Verbrennung von Rapsmethylester freigesetzte
Kohlendioxid ist nicht fossilen Ursprungs, sondern von der Rapspflanze
zuvor photosynthetisch aus der Atmosphäre fixiert worden, und
muss daher bilanzmäßig nicht erfasst werden. Die Emission
von fossilem Kohlendioxid liegt dadurch bei 0,68 kg pro Liter und
ist somit fünffach geringer als beim Einsatz der etwa gleichen
Menge an Dieselkraftstoff.
Biodiesel wird durch mikrobiologische Aktivitäten im Boden schneller
zersetzt als fossiler Diesel. Obwohl fossiler (herkömmlicher)
Diesel als nicht sehr giftig eingestuft wird, ist seine biologische
Abbaubarkeit schlechter als die von Biodiesel, d. h., die verbleibenden
(und giftigeren) Substanzen bleiben im Boden länger bestehen. |
| Nach 21 Tagen wird Biodiesel zu über 95 % und fossiler Diesel
zu ca. 72 % mikrobiologisch im Boden zersetzt. Biodiesel eignet sich
daher besonders gut zum Antrieb von Motoren, die unmittelbar im Grünland
eingesetzt werden. |
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Verflüssigung und Vergasung von Festbrennstoffen
- Bei der chemischen Reduktion wird Zellulose in Wasser
gelöst. In diese Lösung wird das Rohgas aus einer Vergasung
eingeleitet. Es entsteht ein Öl, das motorisch nicht nutzbar
ist. Eine breitere Nutzung wird daher angezweifelt.
- Als Pyrolyse (Verkohlung) wird die thermische Spaltung
von Biomasse unter Luftabschluss verstanden. Als Hauptprodukt
entsteht Holzkohle. Je nach Prozessführung wird neben Holzkohle
Pyrolyseöl oder ein brennbares Gas erzeugt.
- Bei der Methanolsynthese entsteht aus dem Produktgas
der Vergasung ein Alkohol, das Methanol. Aus 3,3 t Holz mit 30
% Wassergehalt kann 1 t reines Methanol (99,5 % Reinheit)
hergestellt werden.
- Bei der Flash Pyrolyse (schnelle Pyrolyse bei einer
Reaktionstemperatur von 500 bis 520 °C, Druck von 1 bar und
Aufenthaltszeiten von unter 1 Sekunde) entsteht ein Pyrolyseöl
(Ausbeute 80 Massenprozent; Heizwert 18 MJ/Nm3 bei
20 Massenprozent Wassergehalt), das eventuell gemischt mit Heizöl
oder direkt in Dieselmotoren verbrannt werden könnte. Das
im Pyrolysereaktor erzeugte Öl hat jedoch einige negative
physikalische und chemische Eigenschaften: Es ist korrosiv und
chemisch instabil. Daher ist ein plasmachemisches Verfahren ("Electronic
Upgrading") zur Aufbereitung notwendig. Zudem ist die kanzerogene
Wirkung des Pyrolyseöls noch nicht widerlegt.
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