Nutzung von Gasen aus Abfall


 
Beim biochemischen Abbau von organischen Stoffen entstehen durch Einwirkung von Bakterien unter Luftabschluss Gase. Der Hauptbestandteil dieser Gase ist Methan mit 55 bis 70 % Anteil, Kohlendioxid mit 29 bis 43 % und ein Rest von Schwefelwasserstoff.

Dieses energetisch nutzbare Biogas fällt auf Mülldeponien, in Kläranlagen und landwirtschaftlichen Betrieben an.

Deponiegas

Durch die Verdichtung von eingelagertem Müll auf Deponien kommt es unter Luftabschluss zu Vergärungsprozessen.

Auf diese Weise bilden sich aus einer Tonne Müll im Laufe eines Jahres rund 120 bis 220 m3 Deponiegas. Um dieses Gas nicht ungenutzt in die Atmosphäre entweichen zu lassen, hat man Konzepte zur energetischen Nutzung entwickelt. Von dem gesamten entstehenden Gas sind allerdings nur 20 bis 50 % nach spezieller Filterung erfassbar.

Das Deponiegas kann zum Beispiel in einem Blockheizkraftwerk genutzt werden. Es wird verdichtet und einem Verbrennungsmotor zugeführt. Der Motor ist mit einem Generator gekoppelt.

Im Verbrennungsmotor wird die chemisch gebundene Energie des Kraftstoffes zum Teil in mechanische Energie umgewandelt. Der Generator wandelt die mechanische in elektrische Energie um. Die nicht in mechanische Energie umgewandelte Brennstoffenergie ist in Form von Wärme in Abgas und Kühlwasser enthalten. Diese Wärmeströme können mittels Wärmeübertrager teilweise genutzt werden. Bei gleichzeitiger Nutzung der Wärme und der elektrischen Energie (als Kraft-Wärme-Kopplung bezeichnet) werden Wirkungsgrade von 85 bis 90 % erzielt.

Die elektrische Leistung solcher Anlagen liegt zwischen 200 und 400 Kilowatt. Da auf Deponien selbst kaum Bedarf an Strom und Wärme vorhanden ist, wird die erzeugte elektrische Energie in das öffentliche Netz eingespeist. Zudem versucht man oft, die Abwärme in beheizbaren Gewächshäusern oder Ähnlichem in Deponienähe zu nutzen.

Klärgas

Bei der Strom- und Wärmeerzeugung aus Klärgas wird das Abwasser in einer Kläranlage zunächst von Holz und Papier befreit. In verschiedenen Absetzbecken sinken schwere Stoffe ab. Anschließend wird Sauerstoff in das Abwasser eingeblasen und der Schlamm kommt bei Temperaturen von 35 °C im Faulturm zum Ausfaulen.

Dabei entsteht als Nebenprodukt das brennbare Faul- oder Klärgas, das in der Regel zu 2/3 aus Methan besteht. Der Heizwert liegt im Durchschnitt bei 22 MJ/m3. Dieses kann in Blockheizkraftwerken energetisch genutzt werden.

Biogas

Feuchte pflanzliche und tierische Rückstände können dazu genutzt werden, Biogas zu erzeugen. Diese Abfälle werden nach einer Zerkleinerung in einen Faulbehälter eingebracht. Dort bildet sich unter Luftabschluss ein Gasgemisch, das im Allgemeinen zwischen 50 und 65 % Methan enthält.

Dieses kann wieder in Verbrennungsmotoren von Blockheizkraftwerken genutzt werden. Neben dem energetischen Nutzen sind die landwirtschaftlichen Vorteile wie ein mineralstofffreier und weniger aggressiver Dünger sowie eine geringere Geruchsintensität des Düngers entscheidend. Wirtschaftlich wird ein solcher Betrieb erst ab einer Größe von 70 bis 100 Großvieheinheiten, wie z. B. Kühen. Das entstehende Biogas hat einen Heizwert von 25 MJ/m3. Biogas aus landwirtschaftlichen Betrieben kommt damit dem Heizwert des Erdgases am nächsten.

An dieser Stelle sei noch festgestellt, dass Methan einen 32fach höheren relativen Treibhauseffekt aufweist als CO2 (bei gleichem Volumen). Die Verweildauer von Methan in der Atmosphäre liegt bei 20 Jahren (CO2 100 Jahre). Konzepte, dieses Gas nicht ungehindert in die Atmosphäre entweichen zu lassen, sind daher zu forcieren. Eine energetische Nutzung scheitert bislang vielfach an der fehlenden Akzeptanz in der Bevölkerung.