Niedrigenergiehaus


 
Seit 1995 gilt die 3. Wärmeschutzverordnung. Danach müssen Neubauten für einen Heizwärmebedarf von maximal 54 bis 100 Kilowattstunden pro m2 ausgelegt werden. Eine weitere Anhebung der Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz um nochmals 30 % ist im Jahr 2000 geplant.

Die konstruktive Antwort auf die Forderung nach CO2-Minderungen im Gebäudebereich ist das Niedrigenergiehaus. Der Begriff bezeichnet Gebäude mit 40 bis 60 Kilowattstunden pro m2 Wohnfläche und Jahr.

Zurzeit beträgt der durchschnittliche Jahresheizwärmebedarf in den alten Bundesländern im Einfamilienhaus ungefähr 220 Kilowattstunden, in den neuen Bundesländern etwa 350 Kilowattstunden je m2 und Jahr. Bei Mehrfamilienhäusern liegt er aufgrund der kompakten Bauweise niedriger.

Das niedrige Verbrauchsniveau beim Niedrigenergiehaus ist bei vertretbaren Mehrkosten mit bestimmten baulichen Maßnahmen für Ein- und Mehrfamilienhäuser zu erreichen.

Die einzelnen Bauteile wie Wände, Decken und Fußböden erfüllen die Anforderungen des Wärmeschutzes durch eine gute Wärmedämmung selbst bei tiefen Außentemperaturen.

Eine mechanische Wohnungsbelüftung mit Wärmerückgewinnung spart Energie, indem sie einen großen Teil der unvermeidbaren Lüftungswärmeverluste zurückgewinnt.

Das gut wärmegedämmte Niedrigenergiehaus benötigt nur geringe Heizleistung. Wärmegewinne durch Sonneneinstrahlung und innere Wärmequellen wie Haushaltsgeräte, Beleuchtung und Warmwassernutzung wirken sich besonders auf den Heizungsbedarf aus. Um solche Wärmegewinne nutzbar zu machen, muss das Heizsystem sehr schnell darauf reagieren können. Aufgrund der geringen Heizleistung gewinnen dezentrale Elektroheizsysteme immer mehr an Bedeutung.

Im Vergleich zur Heizleistung erscheint der Energiebedarf für die Warmwasserversorgung verhältnismäßig hoch. Deshalb gilt es, die hier eingesetzte Energie möglichst rationell zu nutzen. Wie bei der Heizung bieten sich bei der Warmwasserversorgung in erster Linie dezentrale Systeme an. Dabei werden die Geräte unmittelbar an den Entnahmestellen installiert, sodass Verteilungsverluste nahezu entfallen.

In der Küche kommen vor allem Kleinspeicher und Kochendwassergeräte zum Einsatz, während im Bad elektronische Durchlauferhitzer besonders vorteilhaft sind. Sie können mehrere Entnahmestellen gleichzeitig versorgen und gewährleisten mit stufenloser Leistungsregelung gleich bleibende Wassertemperaturen. Zunehmende Bedeutung erhalten Systeme, die über Sonnenkollektoren und Wärmepumpen die Umweltwärme energiesparend und umweltschonend nutzen.

Die Energiekosten für die Beleuchtung sind durch eine bedachte Planung, helle Räume sowie den Einsatz von Leuchten und Lampen mit hohem Wirkungsgrad und hoher Lichtausbeute zu minimieren.

Der Energiebedarf von Haushaltsgeräten erscheint im Vergleich zum geringen Jahresheizwärmebedarf verhältnismäßig hoch. Hier lohnt es sich, die verschiedenen Geräte energiesparend zu nutzen und bei der Neuanschaffung auf geringe Verbrauchswerte zu achten.

Zur Optimierung des Energiebedarfs im Niedrigenergiehaus sind präzise Steuer- und Regelungsvorgänge erforderlich. So muss beispielsweise die Wärmelieferung des Heizsystems exakt auf den tatsächlichen momentanen Bedarf abgestimmt werden. Die Steuerung von Rollläden und Jalousien in Abhängigkeit von der Sonneneinstrahlung verhindert eine Überhitzung der Räume.

Niedrigenergiehäuser sind aber keine Versuchsobjekte, sondern entsprechen dem Stand der Technik und können mit herkömmlichen Baumethoden und Baustoffen errichtet werden.